Kopierschutzfreie Musikdownloads bei Wal-Mart

Die US-Handelskette steigt groß in den Verkauf DRM-freier Musik ein und begibt sich damit in direkte Konkurrenz zu Marktführer Apple.

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Von
  • Volker Briegleb

Die US-Handelskette Wal-Mart verkauft online ab sofort auch DRM-freie Musikdownloads. Mit 0,94 US-Dollar (0,70 Euro) pro Track oder 9,22 US-Dollar (6,85 Euro) für ein Album liegen die Preise für kopierschutzlose Musik unter denen im iTunes Store. Apple nimmt für die DRM-freien Einzeltitel des EMI-Katalogs immerhin 1,29 US-Dollar. Bei beiden Angeboten sind die Tracks mit 256 kBit/s codiert. Erhältlich sind die Downloads jedoch nur für US-Bürger.

Außer dem EMI-Katalog hat der Supermarkt auch Tracks von Universal Music im Angebot, das zuletzt einen Feldversuch mit kopierschutzfreier Musik gestartet hatte. Nach eigenen Angaben umfasst der Katalog insgesamt mehrere hunderttausend Songs und Alben. Einzelne Alben gibt es im Download zu Sonderpreisen von 5,88 oder 7,88 US-Dollar. Das 2003 eingeführte Angebot geschützter WMA-Songs zu 0,88 US-Dollar soll es weiterhin geben.

Mit dem neuen Angebot seien Wal-Mart-Kunden in der Lage, Musik einfach und flexibel auf nahezu jedem denkbaren Gerät abzuspielen, heißt es in einer Mitteilung des Anbieters. Damit kommt Wal-Mart den Wünschen der Kunden einen guten Schritt entgegen und positioniert sich gleichzeitig sichtbar in Konkurrenz zu Marktführer iTunes, der den Universal-Katalog nicht im Angebot hat. Die Supermarktkette ist auf dem US-Markt mit digitalen Tonträgern und DVDs schon eine Macht und strebt dies nun auch im Download-Bereich an. Unterdessen hat mit Amazon ein weiterer mächtiger Marktteilnehmer Position am Startblock eingenommen, der von dem Boom profitieren möchte.

Universal will im Rahmen eines auf ein halbes Jahr angelegten Testlaufs kopierschutzfreie Musik über verschiedene Kanäle vertreiben, darunter Wal-Mart und die neue Plattform Gbox. EMI hatte als erstes der vier Major-Label auf Kopierschutz verzichtet und Ende Mai mit dem Vertrieb bei Apple begonnen. Warner Music und Sony BMG schauen zu, machen aber noch keine Anstalten, dem Trend zu folgen.

Im Februar hatte Apple-Chef Steve Jobs einen öffentlichen Appell an die Musikindustrie gerichtet, umzudenken und dem Digital Rights Management abzuschwören. Zwar darf sich Jobs die vorsichtigen Schritte der Industrie in die kopierschutzfreie Zone nicht alleine auf die Fahnen schreiben, doch hat der öffentlichkeitswirksame Auftritt des Marktführers seine Wirkung nicht verfehlt. Doch könnte sich das zum Bumerang entwickeln: Bei zunehmender Befreiung der Kundschaft von technischen Fesseln wird sich auch Apple wieder Fragen zur engen Verknüpfung des iTunes-Stores mit den iPods gefallen lassen müssen. Und zu seinen Preisen. (vbr)