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Kopierschutzlücke bei Blu-ray- und HD-DVD-Filmen

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Die Blu-ray Disc und HD DVD dienen als neue Datenspeicher für hochauflösende Filme. Aus Angst vor Raubkopien konnte Hollywood auf die Entwickler so weit einwirken, dass diese ein ganzes Potpourri von Sicherheitsschlössern eingebaut haben. So werden die Filmdaten auf den Discs per Advanced Access Content System (AACS) geschützt. Die digitale Ausgabe auf den Monitor ist nur über Verbindungen möglich, die per High Bandwidth Digital Content Protection (HDCP) verschlüsselt sind. Durch diese Kopierschutzkette soll sichergestellt werden, dass nirgends unverschlüsselte Daten abgegriffen werden können (siehe dazu auch: Feingliedrig, Mit HDTV zur geschlossenen Kopierschutzkette, c't 6/06, S. 148).

Doch diese Sicherheitskette hat ein riesiges Loch. Wie das Computermagazin c't herausgefunden hat, erlauben es die ersten Software-Player unter Windows XP, Screenshots in voller Auflösung von den Filmen zu erstellen. Dazu muss man lediglich während der Filmwiedergabe auf die Drucken-Taste auf dem Keyboard tippen. Eine solche Screenshotfunktion lässt sich automatisieren, sodass man HD-Filme sowohl von Blu-ray Discs als auch von HD DVDs Bild für Bild kopieren kann. Die Leistung aktueller PC-Systeme reicht für eine lückenlose Aufzeichnung aus, wie c't vorrechnet. Anschließend könnte man die Einzelbilder leicht wieder zu einem kompletten Film verbinden und mit dem Ton, den man separat abgreift, mischen.

Betroffen von dem Kopierschutzloch sind sowohl der erste Blu-ray-PC Vaio VGC-RC 204 von Sony, als auch das erste HD-DVD-Notebook Qosmio G30 von Toshiba. Beide verwenden spezielle OEM-Versionen der Abspielsoftware WinDVD von Intervideo.

Auf die Bitte einer Stellungnahme von c't bestätigte Toshiba das gefundene Sicherheitsloch, von denen die bisher ausgelieferten Geräte betroffen sind, und kündigte Updates für die Player-Software und den Grafikkarten-Treiber an. Diese neuen Softwareversionen sollen die Screenshotfunktion unterbinden.

Laut Toshiba würde aber selbst die ursprüngliche WinDVD-Version nicht gegen die Sicherheitsrichtlinien der AACS LA verstoßen. Deshalb geht Toshiba nicht davon aus, dass die erste WinDVD-Version durch ein Update der AACS-Schlüssel gesperrt wird. Durch einen solchen Schlüsselwechsel, der etwa bei neuen HD-DVD-Filmen zum Tragen käme, könnte die AACS LA die Anwender zu einem Software-Update zwingen und die Kopierschutzlücke nachträglich schließen.

Die genaue Funktionsweise und Auswirkungen der Sicherheitslücke beschreibt die c't in ihrer neuen Ausgabe (ab Montag, den 10. Juli, im Handel): (hag)

  • Bilderklau durchs Fenster, Kopierschutzlücke für Blu-ray- und HD-DVD-Filme unter Windows XP, c't 15/06, S. 60