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Kopiersperre auf Kinowelt-DVDs: neuer Uninstaller, alte Probleme [Update]

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Die Kinowelt-DVD des Action-Reißers "Mr. & Mrs. Smith" setzt, wie berichtet, eine neue Kopiersperre ein: Alpha-DVD des koreanischen Herstellers Settec. Beim Einlegen in ein DVD-ROM-Laufwerk startet unter Windows eine Anwendung namens "PlayDVD.exe", die zur Annahme eines Lizenzabkommens auffordert und bei Bestätigung drei Dateien in den Systemordner des Betriebssystems kopiert. Alpha-DVD arbeitet auf zwei Ebenen: Zum einen verhindert die Sperre durch defekte Sektoren auf dem Medium ein "Ripping" des Films, zum anderen verankert sich der Schutzmechanismus über drei Dateien im System. Diese überwachen alle Zugriffe auf optische Laufwerke, was nicht immer gut geht.

In diversen Web-Foren ist zu lesen, dass CD/DVD-Brenner nach der Installation von Alpha-DVD nicht mehr ansprechbar waren und virtuelle Laufwerke blockiert wurden. Diese Beobachtungen kann heise online bislang nicht bestätigen. Dafür kam es bei Tests in der c't-Redaktion auf zwei Systemen zu anderen Unregelmäßigkeiten: Auf beiden stockten plötzlich Brennvorgänge (Daten-Backups, keine illegalen Kopien), auf einem schrieb der Brenner dabei sogar einen RW-Rohling kaputt.

Nähere Untersuchungen der Kopiersperre ergaben, dass sich die .exe-Datei von Alpha-DVD bei jeder Installation unter einem anderen Namen in das System einklinkt. Im Test hieß die Datei unter anderem "dmdmgr.exe", "mscomc.exe", "avsys.exe" und sogar "win32k2.exe". Das Programm versteckt sich vor dem Windows-Task-Manager; auch der Process Explorer von SysInternals zeigt den Prozess nicht an.

Die Anwesenheit der Kopiersperre lässt sich daran erkennen, dass in der Registrierungsdatenbank unter
HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\
Microsoft\Windows\CurrentVersion\
policies\Explorer\Run

ein "SystemManager" eingetragen ist. Auf befallenen Systemen zeigt der Datei-Monitor FileMon an, wie zahlreiche Prozesse das System nacheinander nach den Dateien "wnsaspi32.dll", "asapi.dll" und "elbycdio.dll" absuchen. Einer dieser Prozesse ist die Kopiersperre selbst. Die beiden anderen Komponenten von Alpha-DVD heißen stets gleich: "cmtl.dat" und "hadl.dll". Dem Process Explorer zufolge wird hadl.dll stets von allen laufenden Programmen genutzt.

Zwar lässt sich der versteckte Prozess mit einem Kommandozeilenwerkzeug wie PsKill beenden. Dann muss der Anwender aber immer noch separat alle Prozesse beenden, an die sich hadl.dll gehängt hat. Auf dem Testsystem der Redaktion betraf dies zwischen einem und drei Prozesse. Insgesamt ist die manuelle Entfernung der Kopiersperre alles andere als einfach. Derartige Methoden nutzen sonst Trojanische Pferde oder andere bösartige Programme, um sich vor dem System zu verstecken.

Im dritten Anlauf funktioniert der Uninstaller von Alpha-DVD endlich auch ohne Internet-Verbindung.

[Update]Am Dienstag stellte der Kopierschutz-Hersteller Settec ein neues Programm zur Deinstallation an, das immerhin keine Registrierung der E-Mail-Adresse mehr verlangte. Die zweite Revision des Uninstallers baute aber immer noch eine Verbindung ins Internet auf – schlug dies fehl, wurde die Deinstallation verweigert. Davon waren auch Anwender betroffen, die über einen Proxy-Server surfen: Das Deinstallationswerkzeug suchte stets den direkten Weg ins Netz.

Seit heute nachmittag steht eine dritte Version des Deinstallationswerkzeugs im Netz. Die neue Revision funktioniert auch ohne Internet-Verbindung und entfernt ohne wenn und aber alle Dateien der Kopiersperre.[/Update]

Entgegen früherer Annahmen ist "Mr. & Mrs. Smith" nicht die erste Kinowelt-DVD mit der koreanischen Sperre. Auch die in der zweiten Dezemberhälfte erschienene DVD des Polizei-Thrillers "Edison" setzt Alpha-DVD ein. Kinowelt gibt an, bislang 50.000 Stück dieses Titels verkauft zu haben.

Eine Anfrage von heise online, ob Kinowelt auch bei kommenden Titeln auf Alpha-DVD setzen möchte, beantwortete der Verleih mit einem entschiedenen "Vielleicht": "Die Kinowelt Home Entertainment GmbH behält sich auch in Zukunft vor, ihre Produkte vor illegaler Vervielfältigung zu bewahren und neue Technologien zum Schutz vor Raubkopieren einzusetzen. Aus diesem Grund verfolgt die KHE mit großem Interesse die ständig fortschreitende Neu- und Weiterentwicklung von Kopierschutzprogrammen, die sowohl Sicherheit als auch Benutzerfreundlichkeit garantieren. Die Entscheidung, welche Schutzprogramme künftig für besonders gefährdete Titel zum Einsatz kommen sollen, wird aus der Beobachtung dieser Entwicklung resultieren." (ghi)

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