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Korg stellt Open-Source-SDK für Prologue-Synthesizer vor

Mit einem kleinen Developer Board lässt sich die digitale Multi-Engine des neuen Prologue programmieren. Das Open-Source-Projekt könnte künftig weitere Synthesizer des japanischen Herstellers antreiben.

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Korg stellt Open-Source-SDK für Prologue-Synthesizer vor

(Bild: heise)

Wer schon immer mal einen professionellen Hardware-Synthesizer programmieren wollte, kann das mit dem Korg Prologue und dessen Open-Source-SDK bald tun. Korg hat auf der Superbooth in Berlin erstmals sein Entwickler-Kit für die Prologue-Synthesizer gezeigt. Dessen sogenannte Multi-Engine lässt sich über ein Open-Sorce SDK frei programmieren.

Damit Entwickler ihre Sounds austesten können, ohne einen Prologue 8 oder Prologue 16 für 1500 bis 2000 Euro kaufen zu müssen, gibt der Hersteller eine kleine Zahl an Entwickler-Platinen aus. Jedes Board besitzt eine einzelne Multi-Engine, die einen monophonen Oszillator sowie zwei Effekte erzeugt. Im Prologue stecken jeweils 8 bis 16 solcher Multi-Engine-Boards, deren Sound mit zwei weiteren analogen Oszillatoren gemischt und über Filter und Effekte weiter verfremdet wird. So arbeiten die Synthesizer 8fach beziehungsweise 16fach polyphon. Der Anwender kann 16 verschiedene User-generierte Oszillatoren, Modulations-Effekte, Delays und Reverb-Typen in den Synthesizer laden. Ein kleines Verwaltungsprogramm lädt verschiedene User-Patches vom Windows-PC oder Mac auf den Synthesizer. Zumindest das Developer-Kit soll auch unter Linux laufen.

Korg Prologue SDK (8 Bilder)

Etienne Noreau-Hebert entwickelte die Multi-Engine für Korg in Japan. Auf der Superbooth in Berlin gab er im kleinen Kreis einen ersten Ausblick auf die Entwickler-Tools.
(Bild: heise)

Auf dem Entwickler-Board sitzen zwei Micro-Controller mit einem Cortex-M4-Kern von ARM. Die Hauptarbeit übernimmt ein mit 180 MHz getakteter STM32F446ZET6. Er steuert einen zweiten kleinen STM32F401RBT6 an, der mit 84 MHz getaktet ist und den Oszillator erzeugt. Der D/A-Wandler AKM4384ET kann den Sound zwar in 24 Bit mit bis zu 192 kHz wandeln, Korg unterstützt davon jedoch nur bis zu 48 kHz. Neben einem USB-2- und Netzteil-Anschluss findet man auf der Platine einen Audio-Ein- und -Ausgang als 3,5-mm-Klinkenbuchse.

Über die mitgelieferte API lassen sich sechs Wave-Bänke mit verschiedenen Obertönen, Band-limitierte Wavetables sowie einfache Lookup-Tables für Wellentransformationen generieren und den Parametern auf dem Prologue zuweisen. Auf dem Prologue hat der Musiker die Möglichkeit, den Sound der Multi-Engine über ein Makro auf dem Shape-Knopf zu verändern. Per Shift-Taste lässt sich dem Shape-Knopf ein zweiter Parameter verändern. Sechs weitere Klangparameter der Multi-Engine erreicht man lediglich über ein Menü im kleinen Display des Synthesizers. Über eine weitere FX API lassen zudem weitere Effekte für den Prologue entwickeln. Korg zufolge sei es zudem im Prologue möglich, jedes der 16 Multi-Engine-Boards gezielt anzusprechen, um beispielsweise besondere Effekte im Unisono-Modus zu erzeugen.

Laut dem in Japan lebenden Entwickler Etienne Noreau-Hebert lassen sich mit der Multi-Engine verschiedene Syntheseformen von der subtraktiven über die additive bis zur Frequenz- und Phasenmodulation und Wavetables umsetzen. Da für den kompletten Programmcode allerdings nur 32 kByte Speicher auf dem Board zur Verfügung stehen, ließen sich allenfalls sehr kurze Samples einbinden. Der Code wird per C oder C++ erzeugt und das fertige Binary per USB auf das Developer-Board übertragen.

Die fertigen Sounds lassen sich über eine kleine Steuer-App per USB auf dem Entwickler-Board ansteuern. Hier kann man ausprobieren, wie sich der Klang verändert, wenn weitere Modulatoren, LFOs und Effekte hinzukommen. Die großen Prologue-Synthesizer mischen die Multi-Engine mit zwei weiteren analogen Oszilatoren pro Stimme und erzeugen dadurch gewaltige Klangflächen, die an den Soundtrack des jüngsten Blade-Runner-Films erinnern.

Korg überlässt es nach eigenen Angaben den Sound-Designern, wie sie ihre Programme für die Multi-Engine vertreiben. Sie können die Binaries ohne Offenlegung des Source-Codes verkaufen oder sie inklusive der Sourcen frei verteilen.

Der Hersteller will zunächst abwarten, wie die Resonanz auf die kleinen Entwickler-Boards ausfällt. Bei großer Nachfrage könnten sie in Serie gehen und zu Preisen deutlich unter 100 Euro verkauft werden. Der Prologue sei zudem nur der erste Synthesizer, der die Multi-Engine nutzt. Künftig seien weitere günstigere Synthesizer mit derselben Tonerzeugung durchaus denkbar, konkrete Ankündigungen will Korg aber noch nicht machen.

Details zum SDK und Aufbau des Entwicklerboards sowie modifizierbaren Beispielcode für eine Multi-Engine will Noreau-Hebert noch in dieser Woche auf GitHub veröffentlichen.

Update 18. Mai: Das SDK ist nun auf Github verfügbar. (hag)

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