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Krankenkassen warnen vor überstürzter Einführung der Patientenakte

Erwartungen der Patienten könnten enttäuscht werden, wenn die elektronische Patientenakte zu schnell eingeführt würde, meinen 90 Krankenkassen.

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Krankenkassen warnen vor überstürzter Einführung der Patientenakte

Studiert Jens Spahn jetzt schon seine Patientenakte? Wenn es nach ihm ginge: ja.

(Bild: dpa, Archiv)

Bis 2021 sollen deutsche Patienten eine elektronische Patientenakte haben. So will es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), aber den gesetzlichen Krankenkassen geht das zu schnell. In einem Positionspapier warnen nun 90 Kassen davor, sie abrupt einzuführen. Die Warnung ergeht kurz vor Beginn der Messe fürs digitale Gesundheitswesen DMEA in Berlin, auf der die Patientenakte ein zentrales Thema sein wird. Unter anderem werden Systeme gezeigt, wie gesetzlich Versicherte mit ihrer kontaktbehafteten elektronischen Gesundheitskarte via iPhone auf eine mögliche Patientenakte zugreifen können.

Das ambitionierte Projekt werde Enttäuschungen produzieren, wenn es so weiterlaufe wie bisher, meinen die Experten der Krankenkassen laut einem Bericht des Tagesspiegels. Insbesondere der mobile Zugriff per Smartphone und Tablet, den Minister Spahn zum Jahre 2021 durchsetzen will, ist aus Sicht der Kassen ein Angebot, das bei den Versicherten Erwartungen wecken würde, die enttäuscht würden, wenn es nur eingeschränkt nutzbar sei. "Und für diese Enttäuschung unserer Versicherten werden wir immens viel Geld ausgeben", zitiert der Tagesspiegel das interne Papier.

Was heutige Gesundheitsakten nach Paragraf 68 SGB V können und was die Patientenakten nach Paragraf 291a SGB V ab 2021 können sollen, ist ein Schwerpunktthema der DMEA (Digital Medical Expertise & Applications), die nächste Woche in Berlin stattfindet. Unter dem Motto "All your Data belong to Us" wird die Sicherheit der elektronischen Patientenakte am zweiten Tag der Messe für Digital Health auch aus der Perspektive von Datenschützern diskutiert. (anw)