Menü

Kreativ gegen Überwachung

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 42 Beiträge

Während die politische Auseinandersetzung um die Ausweitung von Anti-Terror-Gesetzen immer hitziger wird, versuchen die Gegner einer verstärkten Überwachung ihre kreativen Kräfte zu mobilisieren. Die Kölner Sektion des Chaos Computer Clubs ruft in Zusammenarbeit mit dem Produktions-Arbeitskreis des Kölner Filmhauses zu einem Film-Wettbewerb auf. Die Teilnehmer sollen Minutenfilme zum Thema Überwachung erstellen.

Der Wettbewerb steht unter dem Titel Das panoptische Prinzip. Die Wettbewerbsorganisatoren spielen damit auf den Entwurf eines Gefängnisses aus dem 19. Jahrhundert an. In dem von Jeremy Bentham entworfenen Panopticon sollte jede einzelne Zelle von einem zentralen Punkt aus einsehbar sein. Nach Auffassung der Initiatoren des Wettbewerbs nähert sich die Gesellschaft durch den Abbau von Bürgerrechten immer weiter an dieses Grundprinzip an: Jeder könne verdächtig sein, und niemand wisse, ob er gerade überwacht werde. Im Rahmen des Wettbewerbes sollen Kurzfilme entstehen, "die wachrütteln, verstören, zur Diskussion anregen und dem derzeit vorherrschenden Diskurs weitere Perspektiven hinzufügen", heißt es in dem Wettbewerbsaufruf.

Dabei haben die Teilnehmer weitgehende Freiheiten – die Filmer können zum Beispiel auch die Frage behandeln, ob Privatsphäre heute noch ein schützenswertes Gut sei. Allein bei der Länge der eingereichten Arbeiten herrschen strenge Vorgaben: Maximal drei Minuten dürfen die Beiträge umfassen. Einsendeschluss für Wettbewerbsbeiträge ist der erste Dezember, die Arbeiten sollen unter eine CreativeCommons-Lizenz gestellt werden. Eine Auswahl der Beiträge werden sowohl im Kölner Filmhaus als auch auf dem Chaos Communication Congress Ende Dezember in Berlin vorgeführt. Die am besten bewerteten Arbeiten sollen in Form einer DVD erscheinen, auch eine Wanderausstellung mit den Filmen ist geplant.

Unterdessen hat eine andere kreative Auseinandersetzung mit der Überwachung bei der Wikipedia einen schweren Stand. Nachdem ein Artikel zu dem Schlagwort Stasi 2.0 gelöscht wurde, herrscht jetzt Streit über eine Wiederherstellung des Artikels. Kernfrage ist, ob es sich bei dem auch vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung verbreiteten Slogan um einen Insider-Begriff von Webloggern handelt, oder ob er für eine relevante politische Protestbewegung steht. (Torsten Kleinz) / (jk)

Anzeige
Anzeige