Menü

Kreativität aus dem Computer

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 62 Beiträge
Von

Vielen Menschen gilt als ausgemacht, dass Maschinen und Kreativität nicht zusammenpassen. Der Autor Christopher Steiner argumentiert in seinem Buch "Automate This: How Algorithms Came to Rule Our World", dass das nicht unbedingt stimmt. Neue, komplexe Algorithmen hielten Einzug in erste Bereiche kreativen Schaffens, schreibt Steiner in einer aktuellen Analyse für Technology Review.

Ein Beispiel ist der Künstler Ben Novak, der mit einem Song, dessen Melodie ein Rechner als hitverdächtig einstufte, seine Karriere anschob. Die Software stammt von der Firma Music X-Ray. Deren Gründer Mike McCready hatte zehn Jahre an einer technischen Lösung gearbeitet, hitverdächtige Melodien zu entdecken. Nachdem Novak sein Stück auf McCreadys Online-Dienst hochgeladen hatte, sortierte dessen Software es in dieselbe Kategorie ein, in der auch Klassiker wie "I've got a feeling" von den Eagles und "Born to be wild" von Steppenwolf rangieren.

Der Algorithmus von Musix X-Ray verwendet so genannte Fourier-Transformationen, mathematische Verfahren, die aus komplexen Daten Signale vom Rauschen trennen können. Nacheinander werden damit Grundmelodie, Beat, Tempo, Rhythmus, Oktaven, Tonhöhen, Akkorde, Klangbrillanz und andere Eigenschaften eines Musikstücks analysiert. Die Software erstellt aus diesen Faktoren dreidimensionale Modelle eines Songs, die sie mit den Modellen bekannter Hits vergleicht.

McCreadys Software hat inzwischen über 5000 Musikern einen Vertrag mit einem Musiklabel beschert. Anfangs reagierten die A&R-Abteilungen auf Music X-Ray noch mit Skepsis. Inzwischen nutzen sie den Dienst regelmäßig. "Ich finde allmählich Freunde in der Musikindustrie", sagt McCready. Steiners Fazit: Musik ist für eine algorithmische Analyse besonders zugänglich. Denn Akkorde, Harmonien und Rhythmen folgen mathematischen Gesetzmäßigkeiten.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)