Gamescom

Kreaturen-Basteln und kosmische Kolonisation

Das Schöpfungs-Spiel "Spore" von "Sims"-Entwickler Will Wright nimmt Gestalt an und provoziert die Frage: "Was wird das eigentlich?"

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Von
  • Peter Kusenberg
Inhaltsverzeichnis

Das Schöpfungsspiel "Spore" von "Sims"-Entwickler Will Wright nimmt Gestalt an – und provoziert die Frage: "Was wird das eigentlich?" Der Spieler baut in Spore aus DNA-Elementen eine Kreatur zusammen, die er im Laufe der Evolution vom Einzeller zum komplexen Lebewesen fortentwickelt. Das bewerkstelligt er im Editor, sobald er im Wasser und später auf dem Land genügend DNA-Punkte gesammelt hat, um Arme, Beine, Fühler, Zangen, einen Schwanz, Augen, Schuppen und Zähne beliebig an den Körper zu pappen. Die Körperform lässt sich mit der Maus beinahe beliebig strecken, stauchen und verformen, wobei die endgültige Gestalt einen entscheidend Einfluss darauf ausübt, wie sich die Kreatur in der Welt behauptet.

Ein Fleischfresser mit Riesengebiss und kräftigen Hinterbeinen wird rasch Beute fangen und verspeisen, dafür aber später vielleicht Probleme dabei haben, ein Weibchen zu finden, um sich zu paaren und fortzuentwickeln. Eine genaue Vorhersage ist nicht möglich, denn "alles ist prozessorientiert, alles kann beim erneuten Spielen völlig anders sein, sodass man ständig sagt: Oh, das hab ich noch nie gesehen", erklärte Spiele-Entwickler Ulf Johanson während einer einstündigen Präsentation auf der Games Convention.

Johanson sagt, dass Pflanzenfresser mitunter erfolgreicher bei der Paarung sind als Fleischfresser, etwa, wenn sie vor einem Kandidaten oder einer Kandidaten herumhüpfen, tanzen, pfeifen und singen. Stirbt die eigene Kreatur im Kampf mit einem Kontrahenten, so schlüpft eine gleichartige aus einem Ei, der Spieler verliert einige DNA-Punkte. Das ist bereits die Endstufe der zweiten Phase des Spiels, das zunächst stark an "Die Sims 2" erinnert: dank des detaillierten Editors, der niedlichen Figuren und der flexiblen Interaktion in der Welt.

Doch Spore befördert den Spieler jeweils nach mehreren Spielstunden in die nächste Phase, wobei er in der ersten im Wasser, in der zweiten auf dem Land seine Figur nach eigenem Gutdünken vervollständigt hat und in der dritten Phase einen Stamm bildet, den er genau so steuert wie Einheiten in einem Echtzeit-Strategiespiel. Diese Phase wird dadurch eingeleitet, dass die eigene Kreatur Instrumente, Werkzeuge und Waffen zu nutzen lernt. Neue Einheiten werden durch Paarung erzeugt, was in völlig jugendfreier Form vonstatten geht, wenn sich die beiden Paarungswilligen gegenüberstehen und Herzchen über ihren Köpfen erscheinen.

Ab der vierten Phase wird Spore zum Echtzeit-Strategiespiel. Der Spieler baut den Herrschaftsbereich seines Stammes aus, erlernt neue Fähigkeiten und assimiliert andere Stämme, indem er ihre Führer tötet, sodass die Überlebenden überlaufen. "Wenn der eigene Stamm mächtig wird, kann es vorkommen, dass andere Stämme Geschenke schicken mit der Bitte, sie nicht zu vernichten", erklärte Johanson das zumeist unvorhergesehene Verhalten der Kreaturen. Der Stamm baut in dieser vierten Phase Städte, rüstet sie auf, baut Verteidigungsanlagen, Fahrzeuge und befördert die Infrastruktur des beherrschten Territoriums.

Spore: Kreaturen-Basteln und kosmische Kolonisation (8 Bilder)

Spore: Kreaturen-Basteln und kosmische Kolonisation

Im Editor bastelt der Spieler an seiner Kreatur, dabei sind ihm keine Grenzen gesetzt: Wenn er einen albernen Unken-Hirsch haben möchte, kann er seine DNA-Punkte dafür verschwenden.

In der fünften Phase löst sich Spore völlig von herkömmlichen Spiele-Konzepten, indem es den Spieler ins Weltall schickt, wo er beliebige Planeten erkunden und besiedeln kann, wobei er jedesmal andere Kreaturen vorfindet.

Hier könnte sich das Spiel auf ähnliche Weise verzetteln wie "Black & White" (EA, 2001), wo nach dem anfänglich starken Schöpfungspart die Mikro-Wirtschaft den Spielspaß dimmte. Die Spore-Macher wollen dem entgegenwirken, indem sie über eine ständige Internet-Verbindung den weltweiten Austausch individuell gestalteter Kreaturen ermöglichen wollen, um so eine eigene Community zu schaffen. "Der Spieler kann dann auf dem zentralen Server nachschauen, wie viele tausend Menschen in Argentinien oder sonstwo die eigene Kreatur heruntergeladen haben", sagte Johanson. "Spore" soll Mitte des Jahres 2008 für Windows-PCs erscheinen, das genaue Missionsdesign steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. (ll)