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Technology Review

Krebsmedikament soll Parkinsonkranken helfen

Forscher haben festgestellt, dass der Wirkstoff Nilotinib die geistigen und motorischen Fähigkeiten von Menschen mit der Parkinsonschen Krankheit verbessern könnte.

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Gehirn

(Bild: Journal.pone.0008247.g001.png:Thomas Jubault et al. / Wikipedia / cc-by-sa-2.5)

Ein Krebsmedikament hat bei einer Studie mit Parkinson- und Demenzpatienten zu verblüffenden Erfolgen geführt. Jetzt planen die Wissenschaftler breiter angelegte Testreihen, berichtet Technology Review in seiner März-Ausgabe (ab Donnerstag am Kiosk oder online verfügbar, "Pille gegen Parkinson").

Zwölf Menschen mit Parkinson oder Lewy-Körper-Demenz nahmen in einer Pilotstudie der Georgetown University sechs Monate den Wirkstoff Nilotinib ein. In erster Linie hatte der Versuch mit dem Krebsmedikament demonstrieren sollen, dass demente Patienten die Substanz in geringerer Dosierung gut vertragen.

Dann aber verblüfften die Veränderungen der motorischen und geistigen Fähigkeiten. Bei den zehn Freiwilligen, die die Studie beendeten, besserte sich der Zustand deutlich; die kognitiven Fähigkeiten stiegen auf einer 30-Punkte-Skala um fünf Punkte. Die Ergebnisse des Experiments könnten eine Sensation bedeuten, falls sie sich replizieren lassen: "Meines Wissens ist dies die erste Studie, bei der offenbar der kognitive und motorische Verfall dieser neurodegenerativen Erkrankungen umgekehrt wurde", sagt Studienleiter Fernando Pagan.

Das von Novartis hergestellte Nilotinib wird eigentlich eingesetzt, um eine bestimmte Form des Blutkrebses zu behandeln, die chronisch-myeloische Leukämie. Der Wirkstoff aktiviert ein Selbstmordprogramm der Krebszellen. Doch vor einigen Jahren entdeckte der Neurologe Charbel Moussa am Georgetown Medical Center in Washington DC bei Versuchen mit Nervenzellkulturen, dass es in geringerer Dosierung offenbar die zellinterne Müllabfuhr anregt. Die für Parkinson und Lewy-Körper-Demenz typischen Eiweißablagerungen werden abgebaut. Im Gehirn von Patienten wirken sie toxisch: Die Nervenzellen sterben ab, und es wird zu wenig von dem Neurotransmitter Dopamin produziert.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

(bsc)

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