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Kreditkartenrückruf wegen Verdachts des Datenmissbrauchs [Update]

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Wegen möglichen Datenmissbrauchs tauschen deutsche Banken derzeit Kreditkarten in großem Umfang aus. Die Volks- und Raiffeisenbanken hätten wegen des Verdachts auf Datenklau bei einem Dienstleister in Spanien rund 60.000 der von ihnen ausgegebenen Kreditkarten aus dem Verkehr gezogen, schreibt die Financial Times Deutschland (FTD). Laut einem Bericht von Welt online, der sich auf Angaben des Zentralen Kreditkartenausschusses (ZKA) beruft, seien neben Kunden der Sparkassen die Deutsche Bank, Postbank und weitere private Banken betroffen.

[Update ZKA-Sprecher Steffen Steudel bestätigte die Berichte gegenüber heise online. Bei den Umtauschaktionen gehe es hauptsächlich um Karten der Anbieter Visa und Mastercard, die in den vergangenen Monaten in Spanien genutzt wurden. Diese beiden Anbieter haben in Deutschland zusammen einen Marktanteil von 95 Prozent. Visa habe die Banken gewarnt, da es Hinweise auf Ungereimtheiten bei einem Dienstleister in Spanien gegeben habe, der Kreditkartenzahlungen abwickelt. Bei diesem Kartenprozessor, dessen Name Steudel nicht bekannt ist, seien möglicherweise Daten wie Kreditkartennummer, Prüfnummer, Name des Karteninhabers und das Gültigkeitsdatum der Karte abgegriffen worden. Genaue Informationen über die Unregelmäßigkeiten konnte Steudel ebenfalls nicht geben.]

Es könnten nicht nur Karten betroffen sein, die in Spanien genutzt, sondern auch jene, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den spanischen Dienstleister abgewickelt habe.

Im Oktober hatte die KarstadtQuelle Bank 15.000 Kreditkarten vorbeugend aus dem Verkehr gezogen. Es seien aber keine Kundendaten abgegriffen worden, hatte die Bank versichert. Auch die deutsche Barclays-Tochter, die vor Kurzem tausende Karten eingezogen hat, bezeichnete dies in einer Mitteilung als "reine Vorsorgemaßnahme". Ebenso hatte die Lufthansa Miles-and-More-Karten mit Bezahlfunktion zurückgenommen und die Deutsche Bank nach Angaben der FTD bestätigt, zurzeit mehr Kreditkarten auszutauschen als sonst üblich.

Mit Hilfe der entwendeten Daten könnten Dritte beispielsweise Karten fälschen und mit ihnen einkaufen. Allerdings seien derzeit Einzelhändler im Geschäft angewiesen, sich von einem Käufer mit Kreditkarte den Personalausweis zeigen zu lassen, erläuterte ZKA-Sprecher Steffen Steudel. Im Internet werden auffällige Abbuchungen überprüft. Für einen möglichen Schadensfall komme die Kreditwirtschaft auf, der Umtausch der Kreditkarten erfolgt kostenlos. (anw)