Kriminalitätsstatistik: Straftaten gehen zurück, Computer-Betrügereien nehmen zu

Mit Baden-Württemberg hat am heutigen Mittwoch das 13. Bundesland seine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2006 vorgelegt. Wie auch in den meisten anderen Ländern sank demnach die Zahl der Straftaten.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Mit Baden-Württemberg hat am heutigen Mittwoch das 13. Bundesland seine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2006 vorgelegt. Wie auch in den meisten anderen Ländern sank demnach die Zahl der Straftaten. Nach Angaben von Innenminister Heribert Rech (CDU) wurden im "Ländle" im vergangenen Jahr 609.837 Straftaten gezählt, 8927 oder 1,4 Prozent weniger als 2005. Die Kriminalitätsbelastung habe sich mit 5680 Straftaten pro 100.000 Einwohnern gegenüber 2005 (5773) um 1,6 Prozent verringert. Die Aufklärungsquote sank den Angaben zufolge leicht von 60,1 auf 59,9 Prozent.

Die Zunahme der Ermittlungsverfahren bei der Internetkriminalität (Anstieg von 14.153 auf 15.437 Fälle) und der Computerkriminalität (Anstieg von 6.105 auf 6.833 Fälle) mache deutlich, dass die Polizei vor neuen Herausforderungen stehe, sagte Rech. Mit 74,9 Prozent sei der Betrug das am häufigsten begangene Delikt bei der Internetkriminalität. Für die Sicherung und Verfolgung digitaler Spuren seien bereits über 100 Spezialisten ausgebildet und die polizeiliche Aus- und Fortbildung angepasst worden, erklärte der Innenminister. Auswüchse wie Kinderpornographie oder gewaltverherrlichende Darstellungen werde man konsequent bekämpfen.

Hinsichtlich der niedrigsten Kriminalitätsbelastung liegt Baden-Württemberg derzeit auf Platz zwei hinter Bayern, das pro 100.000 Einwohnern 5403 Straftaten verzeichnete. Dagegen kommt etwa Bremen auf rund 14.395 Delikte. Den stärksten Rückgang an Straftaten verzeichnet Hamburg mit minus 3,4 Prozent, gefolgt von Hessen (minus 3,3 Prozent) und Sachsen (minus 3,2 Prozent). Auch in Bayern gab es mit minus 1,3 Prozent weniger Straftaten. Ein leichtes Plus mussten Rheinland-Pfalz (plus 0,3) und Sachsen-Anhalt (0,2) hinnehmen. In Berlin sank die registrierte Kriminalität auf den niedrigsten Stand seit 1990.

Bisher haben 13 Länder ihre Statistiken veröffentlicht, es fehlen noch Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und das Saarland. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will die bundesweiten Zahlen im Mai vorstellen. Dass nackte Zahlen aber nicht immer Aufschluss über die tatsächlichen Sicherheitsverhältnisse geben, zeigt das Beispiel Hannover. Dort haben die Verkehrsbetriebe Üstra die Kontrollen in Bussen und Bahnen in den vergangenen Jahren massiv verstärkt. 2006 erwischten die Kontrolleure mehr als 80.500 Schwarzfahrer (plus 33 Prozent). In jedem Wiederholungsfall stellt die Üstra Strafantrag, was zu einem spürbaren Anstieg der Kriminalitätsstatistik in der niedersächsischen Landeshauptstadt führt.

Das Deliktfeld mit dem größten prozentualen Anstieg in Baden-Württemberg im Jahr 2006 war die Wirtschaftkriminalität. Dort wurden 17.310 Fälle gezählt (plus 30.4 Prozent). Nach Angaben des Innenministeriums sei dies maßgeblich auf ein Großverfahren des Landeskriminalamts wegen Anlagebetrugs mit rund 3.900 Fällen zurückzuführen. Eine neue Herausforderung, mit der sich die Polizei konfrontiert sieht, ist laut Rech die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus. Nach den Internet-Terrordrohungen der jüngsten Zeit habe er eine weitere Ermittlungs- und Fahndungsgruppe beim Landeskriminalamt (LKA) aufgestellt. Eine Gruppe von 20 LKA-Beamten soll "jedem noch so vagen Hinweis und jeder kleinsten Spur mit islamistischen Hintergrund" nachgehen. (pmz)