Kripo ermittelt wegen hoher Rechnung gegen A1 Telekom Austria

25.000 Euro sollte ein Vorarlberger Skilehrer an die Telekom Austria ursprünglich zahlen. Nach großem Medienecho verzichtete das Unternehmen auf die Forderung, doch die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Nach einer Mobilfunk-Rechnung über 25.000 Euro hat die österreichische Kriminalpolizei Ermittlungen aufgenommen. Dies berichtet der Sender ORF. Die Forderung wird für eine Datenübertragung von angeblich 7,58 GByte erhoben. Die Gruppe Internetkriminalität des Landeskriminalamts Vorarlberg ermittelt aber nicht gegen unbekannte Hacker, sondern ob Mobilfunk-Marktführer A1 Telekom Austria (TA) den Tatbestand des Sachwuchers Paragraph 155 öStGB) erfüllt hat. Auf Sachwucher stehen Gewinnabschöpfung, bis zu fünf Jahre Haft und zusätzlich bis zu 1,8 Millionen Euro Strafe.

Die Datenmenge soll ein Vorarlberger Skilehrer mit seinem iPhone übertragen haben. Dafür verlangte die TA rund 25.000 Euro. Von Roaming ist dabei nicht die Rede. Ein Einspruch des Kunden wurde abgelehnt, nach großem Medienecho verzichtete der Netzbetreiber auf die Forderung. Der Kunde musste aber einen neuen Mobilfunkvertrag abschließen, der Datendienste enthält. Er gibt an, das Handy nur zum Telefonieren zu verwenden und damit nicht ins Internet zu gehen. In diesem Fall ermittelt die Kripo gegen A1 Telekom.

Da es laufend erstaunlich hohe Mobilfunk-Rechnungen gibt, haben die Konsumentenschützer der Kammer für Arbeiter und Angestellte (AK) zusätzlich Anzeigen gegen drei Netzbetreiber eingebracht. Bei Überziehung von Datenpaketen würden plötzlich astronomische Summen verlangt. Etwa zweimal die Woche gäbe es alleine in Vorarlberg Beschwerden von Privatkunden mit vierstelligen Rechnungen. Die Konsumentenschützer schlagen einen gesetzlichen Schutz vor unerwartet monströsen Forderungen vor.

Die Kripo betont, dass viele Konsumenten überfordert seien. Sie wüssten nicht, was ihre Handys im Hintergrund machten oder könnten Voreinstellungen von Herstellern und Netzbetreibern nicht ändern. Dadurch ergäben sich bisweilen existenzbedrohende Schulden. Tests von heise online haben gezeigt, dass sich Kunden mancher Anbieter auch durch absichtlich falsch eingestellte Access Points nicht mehr wehren können. So akzeptiert etwa das Netz von T-Mobile Austria jeden beliebigen Access-Point-Namen.

Ein Orange-Kunde mit iPhone hatte Mitte Januar 8,5 GByte übertragen, den Großteil davon mit einer einzigen Verbindung. Sein Datenpaket fasst aber nur 2 GByte. Wie Vorarlberg Online berichtete, erließ Orange mehr als 8600 Euro "aus Kulanz", besteht jedoch auf Zahlung weiterer 1100 Euro. Womöglich liegt hier aber ein Fall der Verkürzung über die Hälfte nach österreichischem Zivilrecht vor. Dann könnte der Kunde den Vertrag anfechten und Orange höchstens den Wert der Leistung verlangen (laesio enormis nach Paragraph 934 ABGB).

Neulich hatte Orange einen anderen Vorarlberger Kunden erst gesperrt, nachdem mittels Rufumleitung über seinen Anschluss innerhalb von 25 Stunden 4406 Verbindungen mit insgesamt etwa 77.000 Verbindungsminuten zu einer 0820-Nummer "für Dienste mit geregelter Entgeltobergrenze" hergestellt wurden. Die Rufumleitung wurde mit Hilfe des E-Mail-Accounts des Anschlussinhabers hergestellt, das Handy war in der fraglichen Zeit abgeschaltet. Der junge Mann soll nun über 15.000 Euro zahlen.

Orange verdächtigt ihn, für die Rufumleitung Geld kassiert zu haben, was der Vorarlberger bestreitet. Die Kripo ermittelt hier gegen unbekannte Täter, die die Rufumleitung gelegt haben könnten. Bislang waren den Ermittlern zwar Fälle mit deutlich höheren Schadenssummen durch gehackte Telefonanlagen in Unternehmen bekannt. Jetzt dehne sich das aber auf private Handys aus, heißt es aus Vorarlberg.

Die AK nennt einen weiteren Fall mit Beispielcharakter: Ein Mann wollte ein mit dem Handy gedrehtes Filmchen per E-Mail an sich selbst schicken. Das scheiterte, wohl an einem Größenlimit des Mailservers. Der User glaubte, den Vorgang abgebrochen zu haben, doch das Mobiltelefon versuchte es weiter, insgesamt 18 Mal. Kostenpunkt: Gut 1800 Euro. (anw)