Kritik an Huaweis Vorschlägen für Nachfolger eines IP-basierten Internets

Wenn es nach einem Huawei-Vorschlag für ein künftiges Internet ginge, könnte es dort demnächst mehr Kontrollmöglichkeiten geben.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 71 Beiträge

(Bild: Huawei / IETF)

Von
Inhaltsverzeichnis

Huaweis Forschungstochter Futurewei schlägt eine Standardisierung eines Nachfolgers des bisherigen IP-basierten Internets vor, die für viel Aufregung in Technikerkreisen sorgt. Das neue Netz hätte mit dem aktuellen Internet Protocol wenig zu tun und lässt wegen diverser vorgesehener Kontrollmechanismen im Netz die Alarmglocken bei Standardisierungsorganisationen schrillen.

Wenn die Corona-Pandemie es zulässt, soll zwischen dem 17. und 20. November das World Telecom Standardization Assembly (WTSA) tagen. Dort wird etwa alle vier Jahre das Arbeitsprogramm des Standardisierungsarms der Internationalen Fernmeldeunion festgelegt. Aus einer 2018 etablierten ITU-Gruppe "Technologies for Network 2030" (FG NET2030) kommen nun Vorschläge, das TCP/IP-Netz komplett zu ersetzen.

Die Basisprotokolle des alten Internets seien nach fünf Jahrzehnten etwas in die Jahre gekommen, erklärte im vergangenen September einer der Treiber von New IP, Richard Li von Futurewei. Statt den alten Protokollen Sicherheit und auch Vertraulichkeit nachzurüsten, sei es besser, neu zu designen.

Hauptargument für ein neues Netz, das laut Experten deutlich stärker vertikal integriert sein soll, ist, für neue Dienste, etwa Hologamme oder Car-to-Car-Kommunikation, mehr Kapazität und wenig Latenz zur Verfügung zustellen. Statt den gebräuchlichen aufeinander aufbauenden Layern sollen Netzverkehr und darüber laufende Anwendungen zentral an weniger Punkten gesteuert werden können.

Genau diese Kontrollmöglichkeiten bereiten der "Alt-IP"-Gemeinde Bauchschmerzen. Intrinsische Sicherheit ist eines der Stichwörter in den teilweise durch die Internet Engineering Task Force veröffentlichten Dokumenten. Gemeint sind einheitliche IDs für alle Nutzer, eine Art Pass auf den Netzen, die von EID-Providern ausgegeben und im Verkehr genutzt werden sollen. Diese IDs sollen sich verschlüsseln lassen und auch Ortsinformationen verschleiern. Aber: Beides soll von dem ebenfalls als neue Kontrollinstanz dem Netz hinzugefügten "Accountability Agent" aufzuschlüsseln sein, der ein- und ausgehenden Verkehr darauf überprüft, ob er berechtigt ist.

Für Aufsehen sorgte vor allem die mögliche "Shut-Down"-Funktion. Über die sollen sich Endpunkte vor unerwünschtem Verkehr schützen können, die entsprechenden Informationen werden an den Netzbetreiber des Absenders zurückgegeben. Dort wird dann der Nutzer künftig geblockt.