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Kritik an US-Aufsicht über Rootserver

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Das US-amerikanische Übergewicht bei der Verwaltung des A-Rootservers sorgt in regelmäßigen Abständen für Kritik. Bei einer Diskussion über Infrastrukturen beim Vorbereitungstreffen des ITU-Gipfels zur Weltinformationsgesellschaft (WSIS) in Genf empfahl Nadia Hegazi vom ägyptischen Ministerium für Kommunikation und Informationstechnologie, die zentrale Verantwortung einer UN-Organisation zu unterstellen.

"Wir selbst hatten noch keine Probleme mit unserer Domain, andere arabische Staaten dagegen schon. Viele afrikanische Länder wissen nicht einmal, wo ihre Länderdomain abgeblieben ist", sagte Hegazi gegenüber heise online. Auch das Beispiel Irak belege das Problem. Für die iq-Domain werden als technischer und administrativer Kontakt die texanische Firma InfocomCorp angegeben. Dort aber werden Nachfragen nach der iq-Domain brüsk abgewiesen. Nicht einmal den Firmennamen will man bestätigen. .iq ist komplett aus dem Netz getilgt. Die angegebenen Nameserver sind nicht erreichbar.

Hegazi hält angesichts solcher Probleme eine neutrale Verwaltung durch eine UN-Organisation wie die ITU für sinnvoll. Die ITU selbst hat sich mehrfach angeboten, gewisse Koordinationsaufgaben für ICANN zu übernehmen. Ein physikalischer Umzug der hauptsächlich in den USA stehenden Root-Server ist nach Ansicht von Hegazi nicht zwingend notwendig, solange man zumindest auch regional über einen eigenen Spiegel der zentralen Adressdatenbank verfüge. Andrei Korotkov vom russischen Telekommunikationsminsterium sagte, die arabischen Staaten bemühten sich um Unterstützung für ihren Vorschlag.

Eine Vertreterin der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) sagte bei der WSIS in Genf, sie hätte keinerlei Kenntnis von dem Vorschlag der ägyptischen Delegation. Es handele sich im übrigen nicht um ein Thema der WSIS. Vorschläge jeder Art müssten an ICANNs Root Server Komitee gerichtet werden. "Wenn man in diesem Punkt etwas erreichen will, ist wohl eher ICANNs Regierungsbeirat die geeignete Adresse", sagte der spanische ICANN-Direktor Amadeu Abril i Abril. Einzelne Rootserver, VeriSign betreibt so etwa zwei, kämen durchaus auch für einen Umzug in Frage. (Monika Ermert) / (anw)