Kritik an geplanten Bewerbungsverfahren für neue Top Level Domains

Bisherige Entwürfe der ICANN für die TLD-Zulassungsverfahren erscheinen Kritikern zu teuer, zu langsam und noch zu vage in den Details.

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Von
  • Monika Ermert

Mit Kritik an den Entwürfen für die Zulassungsverfahren für neue Top Level Domains (TLDs) wird beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) diese Woche in Kairo nicht gespart. Zu teuer, zu langsam und noch zu vage in den Details – so lauten die zentralen Vorwürfe an den von der privaten Netzverwaltung vorgelegten Vorschlägen. ICANN-Präsident Paul Twomey hatte vorab schon betont, dass die Entwürfe nicht in Stein gemeißelt seien, es sei auch möglich, einen zweiten Entwurf fürs Zulassungsverfahren zu fertigen, bevor die endgültige Fassung angegangen werde. Dieser angekündigte Zwischenschritt wird aber in der Registry-Registrar-Branche als weitere Verzögerung kritisiert. ICANN-Vizepräsident Kurt Pritz räumte ein, dass der Start der Zulassung damit bis ins dritte Quartal 2009 verschoben werden könnte.

Nach jahrelangen Diskussionen hatte die ICANN Ende Juni dieses Jahres grünes Licht für die Einführung neuer Adresszonen (Top Level Domains, TLDs) im Netz gegeben. Bei ihrer Sitzung in Paris akzeptierten die ICANN-Direktoren ein Konzept, das das für generische TLDs zuständige Selbstverwaltungsgremium (GNSO) der ICANN erarbeitet hatte. Nach einer ersten Testrunde mit neuen TLDs im Jahr 2000 und einer kleineren zweiten Runde mit TLDs für spezielle Zwecke im Jahr 2004, soll damit ein reguläres Verfahren für die fortgesetzte Beantragung neuer Adresszonen im Stil von .com, .biz, oder .cat etabliert werden, mit dem sich nahezu beliebige Begriffe für Top Level Domains auswählen lassen sollen. Details zum Antragsverfahren, zu deren Preisen und zu den Registrierungsprozeduren innerhalb der schließlich genehmigten neuen Domains wurden bei der Entscheidung über die Einführung des neuen TLD-Procederes aber noch nicht beschlossen; ein Ende Oktober vorgelegter Entwurf der ICANN soll die Grundlage für entsprechende Beschlüsse bieten.

"Wir sind besorgt, dass das ganze ewig dauern wird", sagte ein Vertreter für die geplante City-TLD .nyc nun auf dem ICANN-Treffen in Kairo. In der Zwischenzeit müssten die laufenden Kosten der Bewerber, die sich teilweise seit Jahren auf die Öffnung des TLD-Raums vorbereiten, weiter finanziert werden. Erst 2010 könnten endlich neue Adressen in der Rootzone eingetragen und vermarktet werden, befürchten andere Beobachter. Wenn ICANN nach der neuen Zulassungsrunde das Verfahren noch einmal analysieren wolle, könne die nächste "Runde" oder das versprochene offene Verfahren, das dauernde Bewerbungen erlaube, erneut in die Ferne rücken. "Wenn der Motor einmal angehalten wird, braucht er zwei bis fünf Jahre, um wieder angeworfen zu werden," warnt Werner Staub, Sekretär des Registry-Registrarkonsortiums CORE.

Staub kritisierte auch, dass ICANN strikt zwischen offenen TLDs und solchen für spezielle Zielgruppen unterscheiden will. Wer nicht nachweisbar als "geschlossener Club" antrete, verliere die Privilegien der "Community"-TLD und laufe damit Gefahr, sich in den ebenfalls geplanten Versteigerungen mit "TLD-Spekulanten" um die entsprechende Zone streiten zu müssen. Das sei ein Nachteil gerade für kleine "Community-Projekte" wie beispielsweise die TLD .cat, die als erste neue geographische Adresszone vor drei Jahren seit 2006 katalanische Domains registriert.

Johannes Lenz-Hawliczek, Sprecher für die dotberlin GmbH, meint auch, dass insbesondere kleinere, der .cat-Zone vergleichbare Initiativen wie etwa die für eine bretonische (.bzh) oder schottische (.sco) Regional-TLD an den Gebühren scheitern könnten. Die vorgeschlagenen Bewerbungskosten von 185.000 US-Dollar und die vorgeschlagenen Jahresgebühren von 75.000 Dollar, beziehungsweise 5 Prozent der Einnahmen, seien für solche kleinen Initiativen sehr hoch, warnte Lenz-Hawliczek.

dotberlin hofft in erster Linie darauf, dass die Bewerbung nicht durch immer neue Konsultationsschritte über das Bewerbungsverfahren weiter hinausgeschoben wird. Zusätzliche Arbeiten am Bewerbungsverfahren stellte ICANN-Präsident Twomey etwa im Bereich des Markenrechtsschutzes in Aussicht. Er könne sich eine zentrale Datenbank für Einsprüche von Markenrechtsinhabern vorstellen, die verhindere, dass sie in diversen Sunrise-Verfahren ihre geschützten Marken vorregistrieren müssten.

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(Monika Ermert) / (anw)