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Krypto-Mining hemmt Astronomie und Suche nach Außerirdischen

Bei Grafikkarten übersteigt die Nachfrage seit Monaten das Angebot und immer mehr Bereiche leiden unter den Konsequenzen. Verantwortlich ist der Krypto-Mining-Boom, der nun die Suche nach Außerirdischen ausbremsen könnte.

Ethereum-Mining hemmt Astronomie und Suche nach Außerirdischen

(Radio-)Antennen sind wichtig, aber die empfangenen Signale müssen auch ausgewertet werden. Dafür braucht es viele Grafikkarten.

(Bild: Free-Photos)

Wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach Grafikkarten aufgrund des Krypto-Mining-Booms kommen einige Astronomen nur noch schwer oder gar nicht mehr an GPUs, die sie für ihre Arbeit brauchen. Wie die BBC berichtet, bekommen die Forscher des Berkeley Seti Research Center keine Karten, um damit die Teleskope Green Bank (in den USA) und Parkes (in Australien) aufzurüsten. "Wir haben das Geld und wir haben die Händler, aber die sagen uns 'Wir haben die [GPUs] einfach nicht'", klagt Dan Werthimer von der Forschungseinrichtung. Andere Astronomen kommen demnach zwar noch an die benötigten Karten, müssen dafür aber das doppelte bezahlen.

Verantwortlich für den seit Monaten beobachteten Preisanstieg und Engpässe bei der Verfügbarkeit von für das Mining geeigneten Karten ist der anhaltende Boom der Kryptowährungen. Auch wenn es sich bei Bitcoin nicht mehr lohnt, können andere Währungen wie etwa Ethereum mit einigen wenigen Grafikkarten geschürft und dabei noch Gewinn gemacht werden. Dafür eignen sich schon leistungsfähige Nvidia-Grafikkarten ab der Serie GeForce GTX 1070 – AMD kann bei seinen Vega-Grafikkarten die Nachfrage nicht decken. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar, auch weil sich der Wert von Bitcoin, Ethereum und Co. nach einem zwischenzeitlichen Absturz stabilisiert zu haben scheinen.

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Solange es sich lohnt Grafikkarten für das Schürfen von Kryptowährungen einzusetzen und die Hersteller ihre Engpässe nicht in den Griff bekommen, wird der Boom Einige vor große Probleme stellen. Für die Suche nach außerirdischem Leben (SETI) etwa ist viel Rechenpower nötig, mit der so viele Frequenzbereiche wie möglich nach möglichen Signalen durchforstet werden können. An manchen Teleskopen werden für diese Arbeit gut 100 GPUs zusammengeschaltet, so Werthimer. Ähnlich arbeiten auch klassische Radioastronomen und die stehen vor dem gleichen Problem, ergänzt die BBC.

Für das Projekt Hera (Hydrogen Epoch of Reionisation Array radio telescope) in Südafrika etwa seien zwar genügend Grafikkarten gefunden worden, aber für die sei Geld ausgegeben worden, das eigentlich für spätere Kosten vorgesehen war. Der Preis für die eingeplanten GPUs hatte sich davor verdoppelt, klagt Aaron Parsons. Der Astronom – der nach Spuren der frühesten Sterne des Universums suchen will – fürchtet, dass künftige Forschung ganz gestoppt werden könnte, sollte die GPU-Knappheit nicht bald der Vergangenheit angehören. (mho)

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