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Krypto-Utopia in der Karibik

Eine Krypto-Community will Ex-Kinderstar Brock Pierce auf Puerto Rico ins Leben rufen. Noch beraten die angereisten Bitcoin- und Blockchain-Unternehmer allerdings darüber, ob sie eine neue Stadt gründen wollen.

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Krypto-Utopia in der Karibik

Will eine Krypto-Gesellschaft auf Puerto Rico gründen: Bitcoin-Milliadär Brock Pierce.

(Bild: Jason Henry / NYT / Redux / Laif)

Auf der Karibikinsel Puerto Rico läutet Brock Pierce die "Krypto-Zukunft" ein. Der einstige Kinderdarsteller fungiert als Direktor der Bitcoin Foundation und Chef unzähliger Unternehmen rund um die virtuelle Währung. Unter den Besitzern von Kryptowährung zählt er zu den reichsten Männern. Sein aktuelles Projekt: eine neue Gesellschaft, deren Wirtschaft vollständig auf Bitcoins und auf Blockchain-Operationen beruht.

Alle Verträge in dieser neuen Gesellschaft sollen öffentlich sein. Eine Milliarde Dollar will Pierce zur Verfügung stellen, damit seine Krypto-Utopie mit dem Namen "Sol" (spanisch für Sonne) auf der Insel Wirklichkeit wird. "Mitgefühl, Respekt und finanzielle Transparenz" sind für ihn die zentralen Begriffe, die das Projekt definieren, berichtet Technology Review in seinem aktuellen Aprilheft (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich).

Und es sieht ganz so aus, als könnte die Utopie schon bald Wirklichkeit werden. Immer mehr Unternehmer aus der Bitcoin- und Blockchain-Welt Kaliforniens verlegen ihren Wohnsitz nach Puerto Rico. Die Insel, die den USA angegliedert ist, ohne ein vollwertiger Bundesstaat zu sein, hat gleich mehrere Vorteile für die Superreichen: Wer dort lebt, zahlt keine föderale Einkommensteuer, keine Kapitalgewinnsteuer und weniger Unternehmenssteuern als in den restlichen Vereinigten Staaten. Trotzdem können die Bewohner die US-Staatsangehörigkeit behalten.

Außerdem sind große Anwesen derzeit günstig zu haben, seit die Insel und ihre Wirtschaft im vergangenen September durch den Wirbelsturm "Maria" schwer angeschlagen wurden. Und genau nach solch einem Ort suchen die Krypto-Unternehmer.

Noch diskutieren die Neuankömmlinge, die sich zum Großteil im Hotel Monastery einquartiert haben, ob sie sich im historischen Zentrum der Inselhauptstadt San Juan niederlassen sollen oder eine eigene Stadt gründen wollen. Ein ideales Gelände für eine Neugründung wäre das mehr als 3600 Hektar große Areal der ehemaligen Basis der US-Marine in Roosevelt Roads. Es verfügt über zwei Tiefseehäfen und einen Flugplatz.

"Sie haben noch nie gesehen, dass eine Branche einen Ort so stark beeinflusst, wie das hier der Fall sein wird", prophezeit CNET- und VideoCoin-Gründer Halsey Minor, der sich bereits auf Puerto Rico eingefunden hat. Die lokalen Behörden stehen den Neuankömmlingen und ihrem Projekt offen gegenüber. Die Verhandlungen über eine Bank für Bitcoins sind weit fortgeschritten. Gouverneur Ricardo Rosselló hat sich als Redner auf dem Blockchain-Summit "Puerto Crypto" Mitte März angekündigt.

Unternehmer, die schon länger die Vorteile der Inselsteuergesetzgebung genießen, sind hingegen nicht allzu begeistert über die Pläne der Krypto-Anhänger. "Sie haben mich angerufen und erzählten mir, dass sie 100.000 Hektar kaufen wollen, damit sie eine eigene Stadt auf Puerto Rico gründen können. Ich kann mich daran nicht beteiligen", sagte Robb Rill, ein Unternehmer aus der Welt der Hedgefonds, gegenüber der "New York Times". Andere Einheimische zitiert die US-Presse mit kritischen Worten über den "Krypto-Kolonialismus". Ihre Insel solle keine Spielwiese für "Superreiche" werden.

Pierce weiß um diese Vorbehalte. "Ich mache mir Sorgen, dass die Menschen denken, wir kommen nur nach Puerto Rico, um die Steuern zu umgehen." Das sei nicht der Fall. Es gehe vielmehr um "einen Platz an dem die Menschen frei sind, zu erfinden".

Weitere Berichte finden Sie in der neuen April-Ausgabe von Technology Review (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich).


(Reiner Wandler) / (inwu)

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