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Kryptogeld: Bitcoin klettert über 8000 US-Dollar

Vergangene Woche hat der Bitcoin die Marke von 6000 US-Dollar erklommen. Nur wenige Tage später überschreitet er die 8000 US-Dollar. Der Hype ist zurück.

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(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Die Kryptowährung Bitcoin wird erstmals seit rund 10 Monaten wieder über 8000 US-Dollar gehandelt. Erst vergangene Woche nahm das digitale Geld die Marke von 6000 US-Dollar. Am Wochenende kletterte der Kurs zeitweise bis auf 7500 US-Dollar, gab dann aber nach und erklomm im Laufe des Montagabends die 8000er-Marke. Zur Stunde verzeichnet der Analysedienst Coinmarketcap einen Durchschnittskurs von rund 8160 US-Dollar.

Wie üblich zieht der Bitcoin auch die restlichen Kryptowährungen mit nach oben. Ethereum, die Nummer zwei am Markt, kletterte beispielsweise zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder über die Marke von 200 US-Dollar. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen liegt laut Coinmarketcap bei rund 240 Milliarden US-Dollar, eine Verdopplung seit Februar.

Von den Ende 2017 erreichten 20.000 US-Dollar ist der Bitcoin zwar noch weit entfernt. Aber das Tempo des Kurszuwachses lässt vermuten, dass der nächste große Kryptohype ins Haus steht. Noch Anfang April dümpelte das älteste und bekannteste Kryptogeld um die 4000 US-Dollar.

Der US-Wirtschaftssender CNBC preist Bitcoin sogar schon als sicheren Hafen an – nämlich als Schutz vor Aktien-Turbulenzen in Folge des Handelskriegs zwischen China und den USA, welcher erst kürzlich von beiden Seiten verschärft wurde. Denn der Kurs des Bitcoin korreliere nicht mit der Kursentwicklung auf den Aktienmärkten. Der aktuelle Lauf der Kryptomünzen finde auch parallel zu einem großen Wertverlust des chinesischen Yuan gegenüber dem US-Dollar statt, erklärte der Anleihenexperte Andy Brenner gegenüber CNBC. Bitcoin könnte so für Chinesen eine gute Kurzzeitalternative sein, um das eigene Portfolio breiter aufzustellen.

Was darüber hinaus den aktuellen Ausbruch nach oben triggert, ist wie immer schwer festzustellen. Positive Nachrichten, wie etwa dass bei großen Ketten wie Starbucks und Whole Foods nun in den USA auch Bitcoinzahlungen an der Kasse möglich sind, könnten die Entwicklung beflügeln. Angesichts vieler erfolgloser Versuche, Bitcoin als Handelswährung zu etablieren, wirkt das aber wenig wahrscheinlich. Oftmals scheinen die Kursbewegungen des Kryptogelds eher wie abgekoppelt von guten oder schlechten Nachrichten.

Ein Blick auf gehandelte Währungspaare, die Coinmarketcap erfasst, zeigt, dass vor allem Handel mit dem Währungspaar Tether-Bitcoin vorherrscht. Darüber laufen rund 36 Prozent. Handel gegen konventionelle Währungen wie US-Dollar (5,8 Prozent), Yen oder Euro (beide unter einem Prozent) tragen bei weitem nicht so viel bei. Das lässt vermuten, dass es es sich noch nicht um eine Hausfrauenrallye handelt, bei der eher schlecht informierte Normalnutzer ihr Erspartes zur Bitcoinbörse schleppen, sondern dass vor allem kryptoaffine Anleger den Kurs treiben.

Die Abhängigkeit von Tether ist nicht ohne Risiko. Dieses von den Machern der Börse Bitfinex ins Leben gerufene Wert-Token, soll angeblich eins zu eins durch US-Dollar gedeckt sein – umfassend belegt hat Bitfinex das aber nie. Viele Börsen nutzen es als Dollarersatz, manche Beobachter sehen es als Werkzeug für künstlich aufgepumpte Kurse. Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaates New York wirft Bitfinex Untreue bei der Verwaltung des Tether vor, die zu Millionenverlusten geführt habe – die Beschuldigten weisen das aber zurück. Schlimmstenfalls wird derzeit also über ein Drittel des Bitcoin gegen ein wertloses Versprechen gehandelt.

Der Preisbewegung "to the moon“, wie es in der Kryptogeldszene heißt, tun solche Bedenken derzeit wohl keinen Abbruch. Gut möglich, dass die Fähigkeit des Bitcoin, in kurzer Zeit derartige Kursverläufe hinzulegen, das eigentliche, lang gesuchte Killerfeature ist, das immer wieder die Massen anzieht. Nach monatelangem Kryptowinter lädt das Hypercasino also zur nächsten Sause – wie lange die Party diesmal dauert, weiß man erst, wenn sie plötzlich wieder vorbei ist. (axk)