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Künstler sauer auf legale Napster-Alternativen

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"Napster ist böse, denn die Künstler werden nur ausgebeutet" -- so lautete im vergangenen Jahr das eindeutige Urteil der Musikindustrie über die damals beliebte Internet-Tauschbörse. Doch die Labels hatten eine Lösung parat: Eigene Musik-Dienste sollten ehrlichen Usern ein legales Angebot bieten und den Musikern zu ihrem verdienten Lohn verhelfen. Schließlich gingen Pressplay, eine Gemeinschaftsproduktion von Vivendi Universal und Sony Music, und MusicNet, gestützt von BMG, EMI, AOL Time Warner und Real Networks, an den Start.

Bei den Künstlern folgte der ersten "Alles wird gut"-Stimmung inzwischen jedoch die Ernüchterung: Nicht nur, dass sie nach eigenen Angaben noch keinen Pfennig von den Betreibern der neuen Tauschbörsen gesehen haben, einige zweifeln mittlerweile sogar, dass sich daran jemals etwas ändern wird. Schließlich ginge es den Labels darum, ihre Musik-Dienste so attraktiv wie möglich zu machen, was oftmals nur durch geringe Gebühren zu erreichen sei -- dabei bliebe für die Musiker aber wenig oder gar nichts über.

"Ich bin nicht dagegen, dass Musik über diese Dienste angeboten wird, ich habe nur etwas dagegen, wenn die Gewinne nicht geteilt werden" äußerte sich Gary Stiffelman, Manager von Eminem, Aerosmith und TLC, gegenüber der New York Times. Und auch mit dem Respekt vor Urheberrechten ist es bei den vermeintlich legalen Börsen nach Aussagen von Simon Renshaw, von dem sich unter anderem Mary J. Blige managen lässt, nicht besonders gut bestellt. Pressplay und MusicNet hätten eindeutige Aufforderungen, Lieder der von ihm vertretenen Künstler nicht anzubieten, mehrfach einfach ignoriert.

Dass Künstler, die ihre Werke nicht zur Verfügung stellen wollen, den Labels ein Dorn im Auge sind, ist klar -- Universal-Manager Rand Hoffmann geht aber noch weiter: Wer als Musiker Pressplay die Unterstützung verweigere, unterstütze damit praktisch illegale Dienste, so sein Statement gegenüber der US-Presse. Die fünf großen Plattenlabels wollen sich derweil mit Tauschbörsen-Veteran Napster wieder einmal vor Gericht treffen, nachdem wochenlange Gespräche ohne Ergebnis blieben. (nij)

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