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Künstliche Intelligenz: AlphaGo besiegt Ke Jie zum dritten Mal

Man hat es schon geahnt, aber jetzt ist es Gewissheit: Der Weltranglisten-Erste im asiatischen Strategiespiel Go musste sich zum dritten Mal der künstlichen Intelligenz geschlagen geben.

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Künstliche Intelligenz: AlphaGo besiegt Ke Jie zum dritten Mal

(Bild: Google)

Das von der Google-Tochter DeepMind entwickelte AlphaGo ist der stärkste Go-Spieler auf diesem Planeten. Sollte es daran noch irgendwelche Zweifel gegeben haben, so sind sie nach dem in Wuzhen (China) veranstalteten The Future of Go Summit endgültig ausgeräumt: AlphaGo hat den Weltranglisten-Ersten Ke Jie dreimal besiegt und außerdem ein Team-Match gegen fünf chinesische Top-Profis gewonnen.

Weil man das schon ahnte, hatte die Veranstaltung auch nicht den Anstrich des letzten Mensch-Maschine-Duells, sondern war ausdrücklich darauf ausgelegt, gemeinsam mit der KI mehr über das Go-Spiel zu lernen: "Legendary players and DeepMind's AlphaGo explore the mysteries of Go together". So sah man bei dem Team-Match der fünf Profis gegen AlphaGo auch keine Verbissenheit, sondern überwiegend lachende Gesichter: Die Profis hatten eine Menge Spaß dabei, von AlphaGo auf höchstem Niveau eins auf die Mütze zu bekommen.

Ke Jie hats nicht leicht gegen AlphaGo.

(Bild: Google-Livestream)

Vielleicht hatte es ein bisschen damit zu tun, dass kein Einzelner den Gesichtsverlust ertragen musste, gegen eine Maschine zu verlieren. Die Nummer eins der Weltrangliste Ke Jie musste dagegen alleine gegen AlphaGo antreten und sah während des Matchs sichtlich angespannter aus.

Für das dritte Match gegen AlphaGo hatte er darum gebeten, mit Weiß spielen zu dürfen – eigentlich hätte er jetzt wieder Schwarz nehmen müssen. Anscheinend ist die Gewinnwahrscheinlichkeit für Weiß ein winziges bisschen größer, und es wäre wirklich spannend gewesen, einen Menschen zum womöglich letzten Mal gegen eine Maschine gewinnen zu sehen. Das sollte aber nicht sein.

Wie schon in der zweiten Partie gegen AlphaGo, in der er sich nach Einschätzung von AlphaGo die ersten hundert Züge lang phänomenal gut geschlagen hatte, machte Ke Jie die Partie von Anfang an kompliziert und zauberte jede Menge schwacher Gruppen aufs Brett, deren Überleben alles andere als gesichert war. Die Kommentatorinnen meinten dazu, er wäre wie ein Kind, das überall auf dem Brett herumhüpft und Unheil stiftet, während AlphaGo ihnen vorkam wie ein Elternteil, das versucht, Ruhe und Ordnung zu stiften.

Ein Go-Amateur kann da nur staunen, wie solch eine Partie nach dreieinhalb Stunden immer noch ausgeglichen sein kann, oder nein, nicht ganz: Um 2 bis 3 Punkte sahen die Kommentatoren AlphaGo zu diesem Zeitpunkt vorne. Dann spielte Ke Jie eine überraschende Sequenz, die eine tote Gruppe wiederbelebte, doch AlphaGo tötete daraufhin eine noch größere Gruppe von Ke Jie und dieser musste aufgeben.

Die aktuelle Version von AlphaGo ist also definitiv erheblich besser als die Version, die vor einem Jahr gegen den koreanischen Profi Lee Sedol 4:1 gewonnen hatte. Und sie braucht laut Aussage von DeepMind-Chef Demis Hassabis nur ein Zehntel der Rechenleistung der alten Version; während jene auf einem Cluster aus mehreren Maschinen lief, braucht AlphaGo heute nur noch eine Maschine – allerdings mit Unterstützung einer nicht näher genannten Anzahl von Spezialchips. Diese TPUs, Tensor Processing Units hat Google eigens entwickelt, um die Anwendung neuronaler Netze zu beschleunigen, und erst kürzlich Details zu deren Architektur und Performance veröffentlicht.

Ke Jie und Demis Hassabis signieren das Go-Brett, auf dem die Partien gespielt wurden.

(Bild: Google-Livestream)

Auf der Abschlussveranstaltung des Events kündigte Hassabis an, dass DeepMind in den nächsten Monaten ein akademisches Paper zur Funktionsweise der neuen Version von AlphaGo veröffentlichen werde. Außerdem werde man demnächst etliche Partien veröffentlichen, die AlphaGo gegen sich selbst gespielt hat. In Zusammenarbeit mit Ke Jie werde man außerdem die drei Matches AlphaGo vs. Ke Jie eingehend analysieren und die Analyse als Video veröffentlichen.

Wer es noch nicht getan hat, mag die Zeit bis dahin überbrücken und online auf c't nachlesen, wie die letztjährige Version von AlphaGo funktioniert: Mysteriöse Tiefe – Wie Google-KI den Menschen im Go schlagen will (Harald Bögeholz) / (bo)

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