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Künstliche Intelligenz: Branchenimage verändern, um mehr Frauen zu begeistern

Der Frauenanteil in technischen Berufen ist gering – auch bei Künstlicher Intelligenz. Die Branche will das ändern und ein Vorurteil aus den Köpfen bekommen.

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KI und Robotik

Die Kuratorin Judith Spickermann in der Ausstellung: "Künstliche Intelligenz und Robotik" im Heinz Nixdorf MuseumsForum.

(Bild: dpa, Guido Kirchner)

Um in Deutschland mehr Frauen für Künstliche Intelligenz zu begeistern, hält die Branche einen Imagewandel für notwendig. Bisher würden sich nur wenige Frauen auf entsprechende Jobs bewerben, sagte die Chefin der visuellen Suchmaschine Nyris, Anna Lukasson-Herzig, der Deutschen Presse-Agentur. "Sie verbinden keine schöne Arbeitsatmosphäre mit diesen Jobs."

Viele Frauen hätten Vorurteile: "Lauter komische Männer sitzen vor vielen Monitoren, im Keller, haben Headphones an, keiner spricht miteinander, keiner lacht", sagte Lukasson-Herzig. "Da hat kein Mädel Bock drauf. Da müssen wir raus und dann haben sie auch Lust, mitzumachen."

Zudem trauten sich viele Frauen einfach nicht, sich für Jobs rund um Künstliche Intelligenz zu bewerben. Die Ursache dafür liege häufig bereits in der Kindergartenzeit. Nötig sei eine gemeinsame gesellschaftliche Anstrengung, forderte Lukasson-Herzig. "Wir müssen alle weiter daran arbeiten, dass Mädchen kein Blödsinn eingeredet wird."

Der Frauenanteil in der Branche liegt in Deutschland nach Angaben des Weltwirtschaftsforums (WEF) bei 16 Prozent. Das WEF hatte die große Lücke zwischen Männern und Frauen in der KI jüngst als einen Grund dafür angeführt, dass die Geschlechtergerechtigkeit hierzulande nicht vorankomme. Die männliche Dominanz in der Branche kann wiederum Einfluss auf KI-Systeme nehmen, die unter solchen Bedingungen Frauen pauschal abwerten – wie ein Beispiel bei Amazon in den USA zeigt, wo ein KI-System zur Bewerbungsprüfung Männer bevorzugte, weil der Algorithmus wegen der Überzahl der Männer entsprechend einseitig reagierte.

"Es muss die Aufgabe aller gesellschaftlichen Gruppen sein, dieses Defizit zu mindern. Das fängt in der Schule an und geht über die Universitäten bis hin in die Betriebe", sagte der Chef des Bundesverbands Künstliche Intelligenz, Jörg Bienert. Der Verband fordert, Informatik bereits von der 3. Klasse an als Pflichtfach in der Schule einzuführen, da das Interesse für Technik bereits in der frühen Kindheit geweckt werden könne.

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Laut einer Umfrage des ITK-Branchenverbands Bitkom aus diesem Jahr spricht sich eine Mehrheit der Deutschen (69 Prozent) dafür aus, Informatik ab der 5. Klasse als Pflichtfach an Schulen zu unterrichten – damit die Schüler die angestrebte bessere digitale Ausstattung der Schulen auch sinnvoll zu nutzen lernen. Die geplanten Fördermittel des Bundes zur Digitalisierung aller Schulen sind vorerst durch den Widerstand der Länder gestoppt. In der Schweiz soll Informatik ab dem Schuljahr 2022/23 Pflichtfach an allen Gymnasien werden. Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung mit Milliardeninvestitionen bei KI Weltspitze werden.

Eine Quotenregelung ist für die Branche aber kein Thema. "Ich glaube generell begrenzt daran, dass Quoten oder erzwungene externe Maßnahmen zweckführend sind", sagte die Chefin des Berliner Datenanalyse-Start-ups Anacode, Janna Lipenkova. "Vielmehr sollte man insbesondere in der Ausbildung Wert darauf legen, auch Frauen den gesamten Horizont der Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen das nötige Selbstbewusstsein auf den Weg zu geben, ihr Potenzial voll zu entfalten." (tiw)