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Künstliche Intelligenz: EU startet Pilotphase für Ethik-Regeln

KI in Europa soll ethischen Richtlinien folgen. In einer Pilotphase bis 2020 soll nun überprüft werden, wie dies in der Praxis aussehen kann.

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Künstliche Intelligenz

(Bild: agsandrew / shutterstock.com)

Die EU-Kommission hat am Montag Empfehlungen für Ethik-Regeln zur Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) in Europa vorgelegt. In einer Pilotphase können Unternehmen, Forschungsinstitute und Behörden bis 2020 die ethischen Richtlinien mit den von einer KI-Expertengruppe erstellten Beurteilungslisten in der Praxis testen und ihre Erfahrungen mitteilen. Nach dem Abschluss der Pilotphase sollen dann gegebenenfalls Gesetzesvorschläge entwickelt werden.

Die EU-Kommission hält sich mit dem Start der Pilotphase an den dreistufigen Ansatz ihrer KI-Strategie vom April 2018. Diese sieht vor, zunächst die wichtigsten Anforderungen für eine vertrauenswürdige KI festzulegen, im zweiten Schritt folgt die nun begonnene großumfängliche Pilotphase, um von den verschiedenen Interessengruppen Rückmeldungen zu erhalten. Danach soll ein internationaler Konsens für die KI erzielt werden, da die "Technik, Daten und Algorithmen keine Grenzen kennen".

Die EU-Kommission wolle die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern wie Japan, Kanada oder Singapur verstärken und Diskussionen und Initiativen beispielsweise in den G7 und G20 starten. In der Pilotphase sollen deshalb auch Unternehmen aus anderen Ländern und internationale Organisationen einbezogen werden, heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission.

Demnach soll eine vertrauenswürdige KI alle anwendbaren Gesetze und Vorschriften sowie weitere Anforderungen einhalten. Die von der KI-Expertengruppe erarbeiteten Beurteilungslisten sollen helfen, die Anwendung der wichtigsten sieben Anforderungen zu überprüfen.

Dazu gehört, dass Künstliche Intelligenz die menschliche Entscheidungsfreiheit unterstützt und die menschliche Autonomie nicht beeinträchtigt und etwa einschränkt. Algorithmen müssen zuverlässig und robust arbeiten, mit Fehlern und Inkonsistenzen müssten KI-Systeme fertig werden. Die Systeme müssten aus Transparenzgründen nachverfolgbare Ergebnisse liefern. Trifft eine KI eigenständig Entscheidungen, dann müssen eindeutige Verantwortlichkeiten und Rechenschaftspflichten definiert sein.

Bürger sollen die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten haben. Ihre Daten dürfen nicht dazu genutzt werden, um sie zu schädigen oder zu diskriminieren.

Insgesamt soll KI dazu genutzt werden, einen positiven sozialen Wandel der Gesellschaft sowie Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung zu fördern.

Die EU lässt sich die KI-Strategie einiges kosten: Bis Ende 2020 sollen mindestens 20 Milliarden Euro an privaten oder öffentlichen Geldern investiert werden. Die EU-Kommission will davon rund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Die Mitglieder der KI-Expertengruppe werden auf dem "Digital Day" am 9. April in Brüssel ihre Arbeit ausführlich vorstellen. Nach der Pilotphase Anfang 2020 soll die KI-Expertengruppe dann die Bewertungslisten auf die wichtigsten Anforderungen unter Berücksichtigung der erhaltenden Rückmeldungen hin überprüfen. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird die Kommission das Ergebnis bewerten und dann die nächsten Schritte vorschlagen.

Um Ethik in der KI sicherzustellen, sollen bis Herbst 2019 durch die EU-Kommission Netzwerke von KI-Forschungszentren eingerichtet werden. Zusätzlich soll in den Mitgliedsstaaten ein gemeinsames Modell für den Datenaustausch entwickelt und umgesetzt werden, um gemeinsame Datenräume optimal zu nutzen. (olb)