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Künstliche Intelligenz: Fünf Profis sind nicht genug gegen AlphaGo

Im asiatischen Strategiespiel Go ist am Freitag ein Team aus fünf Top-Profis gegen Googles künstliche Intelligenz AlphaGo angetreten – und hat verloren. Außerdem gab es Paar-Go mit Mensch und Maschine.

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(Bild: Google)

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Der von Google und der chinesischen Profi-Go-Organisation ausgerichtete "The Future of Go Summit" soll dazu dienen, gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz AlphaGo die Mysterien des Jahrtausende alten Strategiespiels Go zu ergründen – dass AlphaGo von Menschen nicht mehr zu schlagen ist, wird dabei immer deutlicher.

So gab es in Wuzhen (China) am dritten Spieltag zunächst eine Paar-Go-Partie, bei der zwei Teams gegeneinander antraten: Gu Li (9p, Platz 35 der Weltrangliste, Schwarz) spielte im Team mit AlphaGo gegen eine zweite Instanz von AlphaGo im Team mit Lian Xiao (8p, Platz 6, Weiß). Beim Paar-Go müssen die beiden Spieler eines Teams abwechselnd ziehen und dürfen sich nicht absprechen – Letzteres ist mit einem Computer an der Seite natürlich ohnehin gegeben.

Die einzige erlaubte Absprache ist der Vorschlag an den Teampartner, die Partie aufzugeben. Das passierte in der Tat nach knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit zum ersten Mal, als die Schwarz-Instanz von AlphaGo ihrem Partner Gu Li die Aufgabe nahelegte – doch der wollte noch weiterspielen. Der kommentierende Profi Michael Redmond (9p) witzelte, er würde gerne eine emotionale Reaktion von AlphaGo sehen, wenn dieses zum dritten Mal die Aufgabe vorschlägt und der Partner sie verweigert, aber so weit ist die KI noch nicht.

Paar-Go ist im Allgemeinen sehr lehrreich für den schwächeren Spieler, aber was die teilnehmenden Profis nun aus der Partie gelernt haben, erschließt sich Normalsterblichen nicht, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen. Lian Xiao sagte jedenfalls auf der anschließenden Pressekonferenz, AlphaGo habe ihm sehr viel Selbstvertrauen gegeben, weil es ruhig und ausgeglichen spielte, auch wenn er sein Team im Nachteil sah.

Gelöste Atmosphäre bei der Diskussion um den besten Zug

(Bild: Google-Livestream)

Am Nachmittag chinesischer Ortszeit gab es dann wieder ein Duell Mensch gegen Maschine, oder vielmehr Menschen gegen Maschine. Ein Team aus fünf Spielern trat gemeinsam gegen AlphaGo an, und die Chinesen hatten das obere Ende der Weltrangliste aufgefahren: Mi Yuting, Chen Yaoye, Zhou Ruiyang, Shi Yue und Tang Weixing (Plätze 3, 8, 10, 11 und 18). Diesmal waren Absprachen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Würden die fünf gemeinsam stärker spielen als ein einzelner Mensch und AlphaGo besiegen können?

Die ganzen zweieinhalb Stunden Kernbedenkzeit lang gab es denn auch rege Diskussionen: Die fünf saßen um ein Nebenbrett herum und probierten Variationen aus, und Teamchef Zhou Ruiyang führte dann die gemeinsam erdachte Züge auf dem Hauptbrett gegen AlphaGo aus.

Es war auffallend, dass alle fünf jede Menge Spaß bei der Sache hatten; man sah die ganze Zeit lang lachende Gesichter. Die Partie verlief nach Meinung der Kommentatoren sehr ausgeglichen, vielleicht mit einem winzigen Vorteil für AlphaGo. Nach einem gewonnenen Ko-Gefecht im Mittelspiel sah das Team sogar eine Chance für sich, aber die Hoffnung erfüllte sich nicht: Sollte AlphaGo überhaupt jemals hinten gelegen haben, so holte es jedenfalls wieder auf.

Obwohl das Team auf dem Brett nichts zum Lachen hatte, war man mit Freude bei der Sache.

(Bild: Google-Livestream)

Als das Profi-Team seine Kernbedenkzeit von zweieinhalb Stunden aufgebraucht hatte (AlphaGo hatte bis dahin gerade mal eine Stunde "nachgedacht"), übernahm Tang Weixing das Endspiel, in dem er jeden Zug innerhalb einer Minute machen musste. Spätestens als AlphaGo einen sinnlosen Zug spielte, der einen Punkt verschenkte, war wohl allen klar, dass die Partie nicht zu gewinnen war. Wenig später gab Tang Weixing auf.

Auch die geballte Kraft von fünf Profis genügt also nicht gegen AlphaGo. Am morgigen Samstag, dem 27. Mai um 4:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird noch einmal ein einzelner Mensch gegen AlphaGo antreten, die Nummer eins der Weltrangliste Ke Jie. Der hatte im Anschluss an die zweite Partie darum gebeten, noch einmal mit Weiß spielen zu dürfen, weil er für Weiß geringfügig bessere Gewinnchancen sieht. Ein Wunsch, den ihm DeepMind-Chef Demis Hassabis gerne erfüllt.

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(bo)