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Technology Review

Künstliche Intelligenz: "Unzählige Fehlentscheidungen der G-Mafia"

Amy Webb, New Yorker Professorin und Autorin des Buchs "The Big Nine", forscht viel zu KI – und warnt nun vor einer drohenden Katastrophe.

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Künstliche Intelligenz als Hilfswissenschaftler: KI revolutioniert die Forschung

(Bild: Phonlamai Photo/Shutterstock.com)

Wer KI-Forscher auf aktuelle Ängste anspricht, auf die Folgen von komplett autonomen Robotern oder Systemen, die zu Kognition und menschlicherem Denken fähig sind, bekommt meist eine klare Antwort: Diese Szenarien seien noch sehr weit entfernt, Grund zur Sorge bestehe nicht.

Amy Webb, Professorin für Strategic Foresight an der New York University, hält diese Argumentation für verfehlt. "Aus meiner Sicht geht der Blick auf den Horizont etwas am Punkt vorbei", sagt die Gründerin des Future Today Institute, das viele große Unternehmen in strategischen Zukunftsfragen berät, gegenüber Technology Review (April-Ausgabe jetzt am Kiosk oder online bestellbar). "Wir sehen bereits Milliarden winziger Fortschritte, die im Laufe der Zeit eine kombinierte Wirkung haben werden. Sie werden zu Systemen führen, die autonom viele Entscheidungen gleichzeitig treffen können."

Als Beispiel nennt sie den Algorithmus AlphaZero von DeepMind. Er kann lernen, drei Spiele auf einmal zu spielen, ohne dass ein Mensch mit von der Partie ist. "Das ist ein ziemlich großer Sprung. Wir müssen innehalten und uns fragen, was passiert, wenn diese Systeme menschliche Strategien zugunsten von etwas völlig Unbekanntem ignorieren."

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Leider geschehe genau dies nicht. Statt darüber zu reden, wie sich aktuelle Gesetze und die neue Technik vereinbaren lassen, "leiden wir unter einem tragischen Mangel an Weitsicht", meint Webb. So hat die US-Regierung Mittel aus der Forschung abgezogen, die eben diese Fragen hätte bearbeiten können. Nun muss das Geld aus der Privatwirtschaft kommen. Die aber hat daran kein großes Interesse. "Deshalb gibt es unzählige Fehlentscheidungen, die jemand in der "G-Mafia" getroffen hat – also bei Google, Microsoft, Apple, Facebook, IBM und Amazon. Wahrscheinlich, weil er schnell gearbeitet hat", kritisiert Webb.

Ein Beispiel dafür sind für sie die Debatten über Wählerbeeinflussung, Fake News und den Umgang mit Daten bei Facebook. "Die Technik hat sich weiterentwickelt, nicht aber unser Denken darüber, was freie Meinungsäußerung ist und wie eine freie Marktwirtschaft aussieht", klagt die Professorin. "Meine große Sorge ist, dass alle abwarten und es erst eine wahre Katastrophe geben muss. Als ob es jetzt nicht schon katastrophal genug wäre." (bsc)