Menü
Technology Review

Künstliche Intelligenz verdrängt menschliche Arbeit in juristischen Berufen

Ein guter Teil der Arbeit vieler Juristen besteht in der Analyse von massenhaft Akten zu ihren Fällen. Das kann lästig sein, bietet Berufsanfängern aber die Chance, Erfahrungen zu sammeln. Wie lange noch?

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 201 Beiträge
Künstliche Intelligenz verdrängt menschliche Arbeit in juristischen Berufen

(Bild: Brooks Kraft / Harvard Law School)

Rechtsanwälte arbeiten im Grunde seit jeher mit den gleichen Methoden – aufwändige Recherchen, eingehende Beschäftigung mit Präzedenzfällen und detailliertes Entwickeln von Argumenten. Jedoch werden diese Arbeiten zunehmend von künstlich intelligenter Software übernommen, wovon insbesondere junge Juristen betroffen sind. „Wenn meine Kinder Jura studieren würden, wäre ich etwas beunruhigt“, sagt Todd Solomon, Partner in der Kanzlei McDermott Will & Emery in Chicago, wie Technology Review online in „KI in der Kanzlei“ berichtet.

Die Beratungsfirma McKinsey schätzt, dass 22 Prozent der Tätigkeiten von Anwälten und 35 Prozent der Aufgaben von Rechtshelfern automatisiert werden könnten. Die größten Auswirkungen hatten bislang auf KI basierende Werkzeuge zur Dokumenten-Recherche. Wenn ein Maschinenlern-Algorithmus mit Hilfe von Millionen von bestehenden Dokumenten, Fallbeispielen und juristischen Anträgen trainiert wurde, kann er automatisch diejenigen Quellen kennzeichnen, die ein Anwalt für seinen Fall braucht – oft besser als ein Mensch. So gab JPMorgan in diesem Jahr bekannt, die Software Contract Intelligence einzusetzen, die innerhalb von Sekunden eine Menge an Dokumenten analysiert, für die juristisches Fachpersonal 360.000 Stunden brauchen würden.

Gerade Juristen frisch von der Universität werden die Auswirkungen der Automation zu spüren bekommen. In ihrem ersten Jahr in einer Kanzlei müssen sie zur Ausbildung meist ebenfalls viel lästige Arbeit mit Dokumenten erledigen, und auch hier machen sich KI-basierte Produkte bemerkbar. CaseMine aus Indien bietet für seine Software zur Dokumenten-Analyse einen „virtuellen Assistenten“ namens CaseIQ. Das System analysiert juristische Anträge und schlägt Änderungen vor, die sie überzeugender machen sollen. Außerdem liefert es zusätzliche Dokumente zur Unterstützung der Argumentation.

Mehr dazu bei Technology Review online:

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige