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Kundenflucht, Umbau-Streit: Harte Zeiten für die Telekom

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Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres kündigten rund 600.000 Kunden ihren Telefonanschluss bei der Deutschen Telekom AG. Das berichtet der Spiegel in seiner am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr wäre das ein Verlust von 2,4 Millionen Kunden und damit deutlich mehr, als die Telekom bisher veranschlagt hat. Dennoch könne der Konzern an seinen Ergebnisprognosen für 2007 festhalten, da parallel zu den Kundenverlusten der Verkauf von Breitbandanschlüssen deutlich angestiegen ist.

Derweil hält Telekom-Chef René Obermann an seinen Plänen fest, rund 50 000 Mitarbeiter zu verschlechterten Bedingungen in eigenständige Service-Agenturen auszulagern. Am gestrigen Freitag war bekannt geworden, dass ihn dabei offenbar der Personalchef des Autozulieferers Continental, Thomas Sattelberger, helfen soll, der in in gleicher Funktion zur Deutschen Telekom wechselt.

Gegenüber der dpa betonte Obermann nochmals die Wichtigkeit des Umbaus, an dem er auch trotz der Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft festhalten will. "Wenn wir jetzt den Konflikt vermeiden, werden die Konsequenzen in ein bis zwei Jahren schlimmer sein." Er sehe noch eine Chance für eine Einigung bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag. "Wir sind hier und da beweglich, vom Grundsatz her müssen wir aber von den Kosten runter." Die Servicemitarbeiter würden derzeit zwei oder drei Mal so teuer bezahlt wie bei der Konkurrenz. Diese Lücke müsse um etwa 40 bis 50 Prozent geschlossen werden. Dazu gehöre auch eine Verlängerung der Arbeitszeit. Wenn es keine Kostenstrukturreform gebe, würden die Mitarbeiter in zwei bis drei Jahren ihre Arbeitsplätze sicher verlieren. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske hatte am gestrigen Freitag den Vorstand der Deutschen Telekom aufgefordert, von den bisherigen Umbau-Plänen im Konzern abzurücken.

Am kommenden Dienstag wollen ver.di und Telekom im rheinland-pfälzischen Maischoß an der Ahr erneut zusammenkommen, um eine Lösung zu finden. Am vergangenen Dienstag waren die Gespräche ausgesetzt worden. Die Große Tarifkommission der Gewerkschaft forderte von der Telekom Gespräche über einen gesonderten Tarifschutz. Gleichzeitig wurde die ver.di-Verhandlungsdelegation ermächtigt, mit den Vorbereitungen zu Urabstimmungen zu beginnen.

Bsirske sagte, es sei eine Schlüsselaufgabe bei der Telekom, die Servicequalität zu verbessern. Aber man könne nicht erwarten, dass Menschen zu Lohnverzicht bereit seien, wenn zugleich den Aktionären jetzt versichert werde, dass das Dividendenniveau 2007 auf Vorjahreshöhe gehalten werde. Nach Berechnungen von ver.di bedeuteten die Vorschläge der Telekom Lohnabsenkungen von bis zu 40 Prozent, wenn die verlängerten Wochenarbeitszeiten und die Ausweitung der variablen Einkommensbestandteile hinzugerechnet würden. (jo)