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Kunstprojekt: Random Darknet Shopper geht wieder auf Einkaufstour

Anfang des Jahres sorgte ein Darknet-Bot mit einer Drogenbestellung bei einer Schweizer Kunstausstellung für einen Polizei-Einsatz. Nun geht der Bot wieder auf Tour für eine Ausstellung in London.

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Kunstprojekt: Random Darknet Shopper geht wieder auf Einkaufstour

Was wird der Random Darknet-Shopper diesmal von den illegalen Marktplätzen bestellen?

(Bild: Bitnik)

Die Schweizer Künstlergruppe Bitnik schickt ihren Random Darknet Shopper wieder zum Bestellen in die Tiefen des Internets: Der als Kunstprojekt gedachte Einkaufs-Bot bestellt autonom und nach Zufallsprinzip einmal pro Woche Waren von einem Darknet-Marktplatz, die dann an eine Galerie geliefert und dort ausgestellt werden. Dafür stehen dem Bot pro Woche Bitcoins im Wert von 100 US-Dollar zur Verfügung.

Beim ersten Durchlauf im Rahmen der Ausstellung "The Darknet. From Memes To Onionland“ in der Kunsthalle St. Gallen kam es im Januar zum Eklat: Der Bot hatte unter anderem ein Tütchen mit zehn Ecstasy-Pillen bestellt, die in die Ausstellungshallen geliefert wurden. Die Kantonspolizei versiegelte und beschlagnahmte daraufhin die Exponate.

Anklage gegen Unbekannt

Die erste Bestellung sorgt noch nicht für Zündstoff: ein falsches Lacoste-Shirt.

(Bild: Bitnik)

Infolgedessen entbrannte eine öffentliche Diskussion, inwiefern die Künstler dann auch für das Einkaufsverhalten ihres autonomen Bots verantwortlich zu machen sind. "Wir sind die gesetzlichen Besitzer der Droge. Und wir sind verantwortlich für alles, was der Bot unternimmt, da wir den Code ausgeführt haben. Unser Anwalt und die Schweizerische Bundesverfassung sagen aber, dass es eine Kunstfreiheit in öffentlichem Interesse gibt", hatte Domagoj Smoljo von Bitnik damals erklärt.

Die St. Galler Staatsanwaltschaft erhob zunächst Anklage gegen Unbekannt, die Ectasy-Pillen wurden vernichtet. Im April wurde schließlich die Klage fallengelassen. Das „übergeordnete Interesse an einer öffentlichen Debatte und die Fragen, die der Random Darknet Shopper aufwirft, rechtfertigen den Besitz des Ecstasy“, begründete dies der zuständige Staatsanwalt laut einem Bericht der Tageswoche.

Lacoste-Fake

Die Bestellungen werden diesmal auf dem Darknet-Marktplatz Alpha Bay getätigt – die bisherige Bezugsquelle Agora wurde im August des Jahres von den Betreiber offline gestellt, die eine Sicherheitslücke in den Hidden Services des Tor-Netzwerks vermuteten. Ausstellungsort ist ab 11. Dezember die Londoner Galerie Horatio Junior. Als erste Bestellung hat sich der Bot laut Bitnik für ein gefälschtes Lacoste-Polohemd entschieden – Kostenpunkt 0,1101 Bitcoin. Man darf gespannt sein, wie kunstsinnig die britische Polizei auf eventuelle Drogenbestellungen reagiert. (axk)

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