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Kupfer und FTTH: Regulierer markiert Eckpunkte für die "letzte Meile"

Die Bundesnetzagentur will mit einem Eckpunktepapier einen branchenweiten Dialog über die Zukunft der Zugangsregulierung anstoßen.

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Glasfaser-Gebäudeabzweig: Wie regelt man künftig den Zugang zur letzten Meile?

(Bild: heise online/vbr)

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Die Bundesnetzagentur hat am Freitag ein Eckpunktepapier veröffentlicht, das als Diskussionsgrundlage für die künftige Regulierung der "letzten Meile" dienen soll. Mit zunehmendem Ausbau von Glasfasernetzen bis in die Gebäude ändern sich die Voraussetzungen, unter denen Anbieter einen Zugang zum Endkunden erhalten. Das hat Konsequenzen für die Regulierung, über welche die Behörde mit den beteiligten Unternehmen nun diskutieren will. "Wir wollen wissen, welche Vorstellungen und Vorschläge die Unternehmen haben und freuen uns auf eine sachliche und konstruktive Diskussion mit ihnen", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Ex-Post mit Marktmacht

Die Behörde überprüft regelmäßig die Marktbedingungen, die Grundlage jeglicher Regulierung sind. Bisher hat das vornehmlich die Deutsche Telekom getroffen: Aus der Bundespost hervorgegangen, ist der Bonner Konzern Herr über das ehemals staatliche Telefonnetz. Dessen Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) aus Kupferdoppeladern sind bis heute der oft einzige Weg in die Wohnung der Kunden. Damit auch andere Provider VDSL anbieten können, legt die Bundesnetzagentur Regeln und Kosten für den Zugang zur "letzten Meile" fest.

Die Regulierungsbehörde rechnet damit, dass mit dem Abschluss des laufenden Vectoring-Ausbaus und dem Trend zur Glasfaser die klassische TAL-Regulierung an Bedeutung verlieren wird. Künftig wird es auch um die Regulierung von "glasfaserbasierten Vorleistungsprodukten" gehen. Die Bundesnetzagentur will in dieser Hinsicht diskutieren, unter welchen Bedingungen die Glasfaser einer "Regulierung light" unterworfen werden kann – mit der Behörde als Schiedsrichter.

Dem Eckpunktepapier war der Entwurf für eine neue Marktanalyse vorausgegangen, den die Behörde im Mai vorgestellt hatte. Auf dem für die TAL-Regulierung maßgeblichen Markt für Vorleistungsprodukte für den lokalen Zugang zu Teilnehmeranschlüssen sieht die Behörde weiterhin die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen. Neu ist, dass die Behörde nun auch die Kabelnetze in die Marktanalyse mit einbezieht. Mit der bevorstehenden Fusion von Vodafone und Unitymedia könnte hier ein ebenfalls marktmächtiger Player entstehen.

Im Dialog mit der Branche will die Bundesnetzagentur nun noch einige Fragen erörtern, bei denen die Behörde noch Klärungsbedarf sieht – etwa beim Zugang zu Kabelleerrohren oder der aktuell gültigen Vectoring-Regulierung. Am 12. Juli soll es eine öffentliche Anhörung geben, an der interessierte Unternehmen und Verbände teilnehmen können. "Die Unternehmen brauchen für die erheblichen Investitionen in Gigabitnetze zügig Klarheit über die regulatorischen Rahmenbedingungen", sagte Homann.

Branchenvertreter begrüßten den Schritt. "Als führender deutscher Glasfaserverband werden wir uns an dieser Diskussion konstruktiv und engagiert beteiligen", sagte Breko-Geschäftsführer Stephan Albers und betonte, dass es bei einer gelockerten Glasfaser-Regulierung weiterhin eines "neutralen Schiedsrichters" bedürfe. Der Breko fordert aber einen klaren "Migrationsplan" für den geregelten Übergang vom Kupfer zur Glasfaser.

"Die Bundesnetzagentur stellt die richtigen Zukunftsfragen", sagte VATM-Chef Jürgen Grützner und begrüßte, dass "der vom VATM seit Jahren geforderte Zugang zur umfangreichen Leerrohrinfrastruktur der Telekom" nun diskutiert werde. "Letztlich müssen wir gemeinsam ehrlich die Frage beantworten: Wie können Glasfasernetze erfolgreich ausgebaut und dabei der Wettbewerb auf diesen Netzen so gesichert werden, dass Unternehmen und Bürger zukünftig bestmöglich versorgt sind?" (vbr)