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Kursausschläge bei Bitcoins werden heftiger

Der Hype um die Kryptowährung sorgt für nervöse Zuckungen beim Bitcoinkurs. Derweil passiert die Entwicklung der Lightning Networks, die das Bitcoin-Netzwerk entlasten sollen, einen wichtigen Meilenstein.

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Bitcoin

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Kurz vor dem Start von Terminkontrakten auf die Digitalwährung Bitcoin steigt die Nervosität am Markt immer weiter. Zudem traten einmal mehr die technischen Probleme der Handelsplätze mit Kryptowährungen offen zu Tage. So stieg der Bitcoin auf dem Handelsplatz Coinbase am Donnerstagabend innerhalb von 90 Minuten erst von 16.000 Dollar auf fast 20.000 Dollar, um dann wieder alle Gewinne abzugeben. Zeitweise konnte über Coinbase nicht gehandelt werden, auch andere Marktbetreiber berichteten von Schwierigkeiten und zunehmenden Attacken von Hackern.

Der von Coinmarketcap errechnete Durchschnittspreis liegt derzeit bei rund 16.400 US-Dollar, wobei an japanischen und koreanischen Börsen zur Stunde deutlich höhere Kurse erreicht werden – bei Bithumb aus Korea zum Beispiel derzeit umgerechnet rund 18.700 US-Dollar. Bei der europäischen Börse Bitstamp sind es hingegen nur etwa 15.500 US-Dollar.

Vergangenen Freitag hatte die US-Behörde CFTC grünes Licht für Bitcoin-Futures gegeben. Die US-Börse CBOE will Sonntag den ersten Bitcoin-Future in den Handel bringen, eine Woche später will die Chicago Mercantile Exchange (CME) folgen. Der US-Milliardär Thomas Peterffy warnt vor einem möglichen Crash am gesamten Finanzmarkt wie nach der Lehman-Pleite. Führende Währungshüter der Welt sind sich aber einig, dass der Bitcoin dafür eine viel zu geringe Bedeutung hat. Er stelle für die Finanzstabilität kein Risiko dar, sagt Vitor Constâncio, Vizechef der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die extrem hohen Ausschläge am Donnerstag waren bei anderen Handelsplätzen nicht zu sehen – auch ein Zeichen dafür, dass es in der kommenden Woche bei den verschiedenen Bitcoin-Märkten mit dem Start von Futures an etablierten Börsen wie der CBOE oder Chicago Mercantile Exchange (CME) weiter zu Marktverwerfungen kommen dürfte.

Abgesehen von der Börsenhysterie tut sich aber auch unter der Haube des Bitcoin was: So haben die Arbeiten an den sogenannten Lightning Networks einen Meilenstein passiert. Lightning Networks sollen vereinfacht gesagt eine weitere Netzwerkschicht von Bezahlkanälen rund um das Bitcoin-Netzwerk bilden. Dort können Transaktionen außerhalb der Bitcoin-Blockchain zwischen den Beteiligten verrechnet werden, nur bei Bedarf werden diese wieder auf die Bitcoin-Blockchain übertragen. Das soll die stetige Flut unbestätigter Transaktionen und die hohen Zahlungsgebühren im Bitcoin-Netzwerk senken und der Kryptowährung endlich Skalierbarkeit bringen.

Die Entwickler gaben am Mittwoch Version 1.0 der entsprechenden Protokoll-Spezifikation bekannt. Clientsoftware der federführenden Firmen Blockstream, ACINQ und Lightning Labs wurden ebenfalls vorgelegt und erfolgreich auf wechselseitige Kompabilität getestet. Erste Transaktionen von Lightning Network auf die Bitcoin Blockchain verliefen ebenfalls erfolgreich. Ob die weitere Entwicklung der Lightning Networks dem Bitcoin zu mehr Akzeptanz als Alltagsgeld verhelfen kann, bleibt abzuwarten.

Kritiker bemängeln, dass eine prinzipielle Schwäche des Bitcoinnetzwerkes nun auch noch monetarisiert werden soll. Böswillig formuliert: Der Herzpatient Bitcoin bekommt Bypässe gelegt. Die Spieleplattform Steam hat etwa am Donnerstag bekannt gegeben, Bitcoin derzeit wegen hoher Gebühren und Wertschwankungen nicht mehr anzunehmen. Betreiber Valve lässt sich aber offen, die Entscheidung zukünftig noch mal zu prüfen. Derzeit scheinen die Weichen beim Bitcoin eher auf Geldanlage denn auf Zahlungsmittel gestellt. (Mit Material der dpa) / (axk)

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