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LAN-Partys für Eltern: Wenn Papa auf Terroristenjagd geht

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Bei einer LAN-Party für Eltern können diese den Reiz von Trackmania, Counter-Strike und Co. selbst erfahren.

(Bild: Jürgen Sleegers)

Eine Halle in Bochum, Dutzende vernetzter Computer mit Counter-Strike, FIFA 08 und anderen Spielen; konzentrierte Spieler, manchmal huscht ein Lächeln über ein Gesicht, wenn eine Aktion gelungen ist – ganz klar: eine LAN-Party. Allerdings ist der Altersdurchschnitt des Publikums auffällig hoch. Es ist die Elterngeneration, die sich vergangenen Freitag zum Daddeln versammelt hat, die lernen will, was den Reiz von Ego-Shootern und anderen Spielen ausmacht.

Eingeladen hatte die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Sie veranstaltet seit geraumer Zeit solche LAN-Partys für Eltern. Das Erziehungspersonal soll einen eigenen Eindruck von Computerspielen erhalten, die Anforderungen erfahren, die die Spiele an den Spieler stellen und sogar die Faszination eines eSports-Turniers zu spüren bekommen.

Diverse medienpädagogische Projekte unterstützten die Veranstaltung mit pädagogischem Personal und technischem Know-how. Zu den Partnern gehörten das ComputerProjekt Köln, Betreiber von Spieleratgeber NRW, Spielbar, die interaktive Plattform für Computerspiele der Bundeszentrale für politische Bildung, Spielraum vom Institut zur Förderung von Medienkompetenz der Fachhochschule Köln und Vertreter des Vereins Die GamesParents.de als Ansprechpartner vor Ort.

Auf der Bochumer Veranstaltung konnten die Eltern aber nicht nur selbst spielen, sondern auch die Atmosphäre eines Spieltags der Electronic Sports League (ESL) hautnah miterleben. Gespielt wurde FIFA 08, Warcraft 3 und Counter-Strike 1.6 aus der ESL Pro Series. Die teilnehmenden Eltern erfuhren unter anderem, dass sich alle 800 Besucher des Wettkampftages einer Jugendschutzüberprüfung unterziehen mussten, denn für Zuschauer galt das Mindestalter von 16 Jahren.

Ganz nebenbei erhielten die Eltern einen Einblick in die Nachwuchsförderung des eSports. Der 15-jährige Daniel "soyx" Brinkmann gewann in den frühen Abendstunden in einem abgeschlossenen Raum das Finale des ESL Sports JuniorCups. An diesem FIFA-PC-Turnier durften Spieler ab 10 Jahren teilnehmen. "soyx" versteht sich auch mit seinen 15 Jahren schon als Profi mit rund drei Jahren Spielerfahrung.

Selbst Politiker haben den Wert der Eltern-LANs als praxisnahe Weiterbildungsveranstaltung anerkannt. In Niedersachsen übernahm die Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann die Schirmherrschaft über eine ähnliche Veranstaltungsreihe (wenn auch ohne eSports-Wettkampf) der Landesstelle Jugendschutz Niedersachen (LJS).

Den Eltern scheint die Bochumer LAN-Party jedenfalls gefallen zu haben. Vater Franz W. stellvertretend: "Ich kann zwar weiter bei schnellen Spielanforderungen von meinem Sohn nicht als Spielpartner akzeptiert werden, aber nach dieser umfassenden Bildungsveranstaltung kann ich jetzt wieder auf Augenhöhe mitreden". Das entspricht der Erwartungshaltung von Projektleiter Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung: "Wir haben den Eltern einen medienpädagogisch begleiteten Weg zur Wahrnehmung einer oft noch fremden Spielwelt ermöglicht, ohne ihre Kinder oder sie als verantwortliche Eltern zu stigmatisieren. Die Teilnehmer sind nun aus persönlicher Erfahrung in der Lage, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen." Einige Eltern kündigten an, dass sie die Freeware-Version von Trackmania forever zuhause installieren wollen, um noch einige Runden Rennen zu fahren.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, findet auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung eine Zusammenfassung mit einigen wesentlichen Informationen (PDF-Datei). Die nächsten LAN-Partys für Eltern finden am 6. Dezember in Köln (BPB, inklusive Finale der ESL Pro Series), am 30. Januar in Tostedt sowie am 3. Februar in Holzminden statt (beide LJS). (Gerald Jörns) / (jo)