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LG: Kunden wollen keine modularen Smartphones

Der Nachfolger des modularen Smartphones G5 soll wieder ohne Module kommen, weil die Kunden keine Modulbauweise wollen, sagt LG. Doch das stimmt vielleicht nur für die Umsetzung von LG.

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LG: Kunden wollen keine modularen Smartphones
Von
  • Jörg Wirtgen

LG will das Smartphone G6 anders als den Vorgänger G5 nicht mehr in Modulbauweise auf den Markt bringen, sondern sich auf Design und Bedienbarkeit konzentrieren, sagte CTO Skott Ahn im CES-Umfeld dem Wall Street Journal. Das G6 dürfte ähnlich teuer werden wie das G5 und in naher Zukunft erscheinen sagte Ahn, möglicherweise zur Mobilfunkmesse MWC Ende Februar. Das Anfang 2016 vorgestellte G5 gilt trotz guter technischer Daten als Flop, LG kämpft mit starken Umsatzrückgängen. Ans Auslagern der Smartphone-Sparte denkt LG laut Ahn aber nicht.

Die Kunden hätten kein Interesse an modularen Telefonen, sagte Ahn. Doch das gilt möglicherweise nur für die eher umständliche Modulbauweise des G5, die unter anderem einen Neustart nach jedem Wechsel erfordert. Zudem gibt es nur recht abseitige Module wie einen Kameragriff und einen Kopfhörer-Verstärker.

Zwei andere modulare Designs sind auf dem Markt. Motorola hat wie LG Funktionserweiterungen im Programm, darunter eine Kamera, einen Beamer, einen Lautsprecher und mehrere Zweitakkus; alle Module haften magnetisch und können im Betrieb aufgesetzt werden. Allerdings passen sie nur auf derzeit drei Smartphones, das Moto Z, das Moto Z Play und das hierzulande nicht erhältliche Moto Z Force. Im Dezember hatte Motorola eine Konferenz und einen Wettbewerb für potenzielle Entwickler der Mods genannten Erweiterungen gestartet. Wie erfolgreich die Z-Reihe ist, verrät Motorola nicht. Auch wenn die Anbindung der Mods unkompliziert funktioniert, überzeugen die Module selbst nicht so recht, beispielsweise ist die 300 Euro teure Hasselblad-Kamera trotz 10-fach-Zoom gleich teuren separaten Kompaktkameras eher unterlegen.

Fairphone geht einen etwas anderen Weg: Die Module des Fairphone 2 erweitern nicht die Funktion des Smartphones, sondern verbessern die Reparaturfähigkeit. Akku und Display lassen sich ohne Werkzeug tauschen, andere Module wie die Kamera ganz einfach mit einem Schraubendreher. Das hat dem Fairphone 2 als erstem Smartphone überhaupt das deutsche Nachhaltigkeitssiegel "Blauer Engel" beschert. Bessere Displays oder einen stärkeren Akku gibt es aber nicht. Doch auch so hat das Projekt Erfolg, sogar zu viel: Fairphone kämpft mit Produktions- und Lieferproblemen, der Firmengründer erlitt einen Burn Out.

Fairphone 2 im Test (8 Bilder)

Die Rückseite lässt Fairphone absichtlich nicht lackieren, weil der Prozess für die Arbeiter gesundheitsschädlich sein kann. Deshalb sammeln sich auf dem Plastik schnell Kratzer.

Ein weiteres modulares Telefon erschien nie, Googles Project Ara. Anfangs sollte das gesamte Gerät modular aufgebaut sein, so hätte der Nutzer etwa zwischen verschiedenen Akkus sogar unterschiedlicher Größe und verschiedenen Kameras, Prozessor-Modulen und Speichergrößen wählen können. Später ging es nur noch um Erweiterungen, und im Herbst vorigen Jahres war dann ganz Schluss mit Ara.

Möglicherweise funktioniert die Nachhaltigkeit besser als die Erweiterbarkeit. So ist in auch hier in unseren Foren der Aufschrei groß, wenn ein Smartphone ohne wechselbaren Akku vorgestellt wird. Doch die Verkaufszahlen spiegeln das nicht recht wieder: Beliebte Modelle wie die aktuellen iPhones oder Samsungs S6/S7 haben einen fest eingebauten Akku. Das liegt natürlich auch am Mangel an Alternativen, denn von den aktuellen Spitzen-Smartphones hat gar keines einen Wechselakku – das bislang letzte war tatsächlich das LG G5. Immerhin können bei einigen Modellen Werkstätten oder geübte Bastler den Akku tauschen.

(jow)