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LHC-Grid besteht wichtigen Performance-Test

Die Europäische Organisation für Teilchenforschung (CERN) hat eine weitere wichtige Hürde beim Aufbau der Grid-Computing-Infrastruktur für wissenschaftliche Arbeiten mit dem neuen Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) genommen. Vom CERN-Sitz in Genf aus konnte über zehn Tage hinweg ein kontinuierlicher Datenfluss mit durchschnittlich 600 MByte/s zu sieben Großrechenzentren in Europa (darunter das Forschungszentrum Karlsruhe) und den USA aufrecht gehalten werden. Insgesamt wurden während des Testzeitraums 500 TByte Daten übertragen.

Der 27 Kilometer lange und knapp zwei Milliarden Euro teure Hadron-Beschleuniger, von dem Forscher sich Antworten auf zahlreiche offene Fragen in der Physik erhoffen (etwa nach der Beschaffenheit der so genannten Dunklen Materie), soll 2007 in Betrieb gehen. Parallel dazu entsteht eines der größten wissenschaftlichen Rechen- und Speichernetze. Angebunden über die Großrechenzentren sollen später rund 6000 Wissenschaftler aus der ganzen Welt die Ergebnisse der vier geplanten LHC-Experimente (ALICE, ATLAS, CMS, LHCb) analysieren.

Im Normalbetrieb soll der Hadron-Teilchenbeschleuniger mehr als 1,5 GByte Daten pro Sekunde generieren. Diese werden redundant in den Speichersystemen jedes Großrechenzentrums abgelegt, auf die rund 200 beteiligte Forschungsinstitute Zugriff haben. Ende März hatte CERN bereits erfolgreich die neue Speicherinfrastruktur getestet. Bei den nächsten Tests im Sommer sollen unter anderem die angeschlossenen Forschungsinstitute überprüfen können, wie sich ihr Hard- und Software-Equipment bei der Datenübergabe für die komplexen Analyse- und Simulationsaufgaben bewährt.

Mit den aktuellen Performance-Tests, die etwa ein Drittel der künftigen Leistungsfähigkeit des LHC-Grids widerspiegelten, waren die Wissenschaftler sehr zufrieden. Die maximalen Datentransferraten in den Hochgeschwindigkeitsnetzen von DFN, GARR, GEANT, ESnet, LHCnet, NetherLight, Renater und UKLight hätten bei über 800 MByte/s gelegen. "Physiker, die sich mit Teilchenforschung beschäftigen, verschicken schon seit geraumer Zeit große Datenmengen rund um die Welt -- allerdings geschah dies bislang meist nur zwischen zwei Standorten und dann in relativ kurzen Schüben", erklärt der Grid-Spezialist Kors Bos. "Inzwischen sind wir aber in der Lage, Datenübertragungen zwischen verschiedenen Einrichtungen über Tage hinweg mit extrem hohen Transferraten zu gewährleisten. Das ist der Durchbruch." (pmz)

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