LHC: Strahlenmeister am geschlossenen Ring

Weit schneller als erwartet schaffte es die CERN-Crew rund um den "Master of the Beams", LHC-Projektleiter Lyn Evans, den kompletten Ring des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC zu schließen.

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Von
  • Andreas Stiller

Da ist er, der zweite rote Punkt (rechts), der neben dem eingeschossenen Strahlpunkt auftaucht: Der Ring ist geschlossen.

Weit schneller als erwartet schaffte es die CERN-Crew rund um den "Master of the Beams", LHC-Projektleiter Lyn Evans, den kompletten Ring des weltgrößten Teilchenbeschleunigers LHC zu schließen. Nur knapp eine Stunde nach dem Start, genau um 10:26, war der Ring geschlossen, die Protonen zirkelten im Kreis.

Die Qualität des Strahls war ebenfalls viel besser als erwartet, und so wird man wohl heute noch den zweiten Strahl einkoppeln. Außerdem begann man, die Hochfrequenzanlagen einzumessen, die man braucht, um später den Strahl weiter zu beschleunigen. Ziel ist es, von jetzt 450 GeV auf 5 TeV zu beschleunigen, eine Energie, die bislang noch nie in Beschleunigern erreicht wurde. Bis April nächsten Jahres nach der Winterpause soll die Zielenergie von 7 TeV erreicht sein.

Nächste Woche, erklärte Michael Eppard, Physiker am CMS-Experiment, könnte man vielleicht schon die ersten Kollisionen durchführen. Der 12.000 Tonnen schwere CMS-Detektor sei bereit und im Wartezustand. Mit sehr viel Glück könne man dann sogar schon erste Anzeichen für Higgs-Teilchen bekommen, falls diese sehr leicht sind. Über die Masse der gesuchten Teilchen weiß man aber noch nichts.

Ähnlich gespannt sieht es bei der Konkurrenz aus, dem mit "nur" 7000 Tonnen zwar nicht so schweren, aber noch voluminöseren ATLAS-Detektor: Die Kollisionen können kommen. Auch ATLAS will (natürlich vor CMS) das Higgsche Boson aufspüren. Das Experiment ALICE hingegen wird wohl noch ein Jahr auf die schweren Blei-Ionen warten müssen, für die dieser Detektor ausgelegt ist.

Die Intensität der Protonenstrahlen und damit die Anzahl der Kollisionen sollen Zug um Zug erhöht werden. Damit steigt dann auch die Wahrscheinlichkeit, die gesuchten Teilchen zu finden. Bislang sind pro Strahlenpaket etwa eine Milliarde Protonen unterwegs. Dies soll im Lauf der Zeit verhundertfacht werden. Man erwartet aber nur vielleicht 20 Kollisionen pro Strahlenpaket, das aber alle 40 ns. Die Daten müssen dann sehr ausgiebig gesiebt werden, bevor sie zur Verarbeitung an das LHC-Grid weitergegeben werden, sonst könnte man die Datenflut gar nicht bewältigen. Bei ATLAS liegt der Siebfaktor bei 400.000 : 1.

Für den amtierenden CERN-Generaldirektor Robert Aymar war dieser Starterfolg natürlich sehr wichtig, schließlich fand er noch in seiner Amtsperiode statt. Im nächsten Jahr wird dann der deutsche Physiker Rolf-Dieter Heuer fünf Jahre lang die CERN-Geschicke leiten.

Zum Large Hadron Collider siehe auch:

(as)