LTE-Summit 2015: VoLTE – Sprechen über LTE

Voice over LTE gewinnt an Fahrt: Während Provider in Asien und den USA mit VoLTE bereits Skype Konkurrenz machen wollen, läuft der Ausbau für die Telefonie über LTE in Europa gerade erst an.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 50 Beiträge
LTE

(Bild: dpa, Jens Büttner)

Von
  • Friederike Maier

In Europa kommt langsam Fahrt in den Ausbau der nativen Sprachkommunikation über LTE (VoLTE). Asien und die USA sind bereits weiter. So nutzen in Südkorea inzwischen 8,8 Millionen Kunden VoLTE, erklärte Samsung auf dem LTE-Summit in Amsterdam. Der japanische Mobilfunkprovider NTT DoCoMo hat gemeinsam mit der koreanischen KT und Verizon Wireless in Frühjahr einen ersten VoLTE-Roaming-Test zwischen Asien und Nordamerika gestartet. NTT DoCoMo will damit in Zukunft seinen Kunden auch dann HD-Sprachqualität bieten, wenn diese ins Ausland reisen .

Setup des VoLTE-Roaming-Tests zwischen Asien und Nordamerika

(Bild: NTT DoCoMo)

Es gibt viele Gründe für Mobilfunkprovider, VoLTE im eigenen Netz zu implementieren. Zum einen steigt die Abdeckung mit LTE derzeit rapide – auch in den weitreichenden niedrigen Frequenzbändern. Wo die LTE-Abdeckung die von GSM oder UMTS überholt, sollte auch das herkömmliche Telefonieren möglich sein. Des Weiteren ist die Audioqualität besser als in 2G- oder 3G-Netzen und die durchschnittliche Zeit für einen Gesprächsaufbau über VoLTE ist deutlich kürzer. Huawei stellte eine Evaluation vor, die unter den etwa hunderttausend VoLTE-Nutzern im HKT-Netz in Hongkong durchgeführt wurde. Die Setup-Zeiten eines Anrufs lagen bei VoLTE bei durchschnittlich 0,6 Sekunden, im 3G-Netz waren es hingegen über 5 Sekunden. Außerdem war die Rate der erfolgreichen Handover höher, sodass es zu weniger Verbindungsabbrüchen kam.

Ying Weimin, Huaweis President of Wireless Network R&D, stellt die VoLTE-Erfahrungen aus Hong Kong vor.

(Bild: Friederike Maier)

Auch die erfolgreiche Konkurrenz von Over-the-Top-Applikationen (OTT) wie etwa Skype motiviert die Provider, in die Verbesserung der eigenen Sprachqualität zu investieren und die Vorteile von nativer Telefonie ohne Installation von Apps hervorzuheben.

Vergleichstests mit Sprachtelefonie über Skype und andere OTT-Applikationen hat die US-amerikanische Signals Research Group vorgestellt. Sie kamen bei Skype auf einen durchschnittlichen MOS (Mean Opinion Score) von 3.2, bei VoLTE-Gesprächen ermittelten sie den Wert 3.9. Während der Wert 1 dabei eine schlechte Verbindungsqualität kennzeichnet, ist beim Wert 5 keine Störung wahrnehmbar. Gegenüber HD-Voice über 3G lag die Sprachqualität von VoLTE bei ihren Tests gar bei einem ganzen MOS höher. Getestet wurde außerdem der Stromverbrauch von verschiedenen Geräten. Der lag etwa gleich hoch wie beim Telefonieren über 3G und um 50-90% niedriger als bei der Verwendung der Skype-App. Ein weiterer Punkt: Der Netzwerkressourcen-Verbrauch von verschiedene OTT-Sprachapplikationen lag zwischen 2.5 und 5 mal höher als bei VoLTE.

Orange wartet noch mit dem kommerziellen VoLTE-Rollout und verbindet vorerst die Telefonie über WLAN mit dem Mobilfunknetz. Pierre-Francois Dubois, Director Marketing Products bei Orange, stellt das VoWiFi-Konzept vor.

(Bild: Friederike Maier)

Während Korea schon im August 2012 begonnen hat, legen in Deutschland nun Vodafone und die Telekom mit dem VoLTE Rollout nach. Andere europäische Unternehmen wie Orange oder die britische EE warten vorerst noch mit einem kommerziellen Rollout, bis die Technik soweit ausgereift ist, dass die Qualitätsverbesserungen auch wirklich hörbar sind. Gerade Themen wie das VoLTE-Handover benötigen einiges an Optimierungen im LTE-Netz. Die Unternehmen setzen vorerst auf VoWiFi, also Sprachtelefonie über WLAN, um beispielsweise die Indoor-Versorgung zu verbessern.

Orange hat im Frühjahr die Telefonie über WLAN in ihre Libon-App eingebaut. Diese WLAN-Anrufe werden dabei über ein SIP-Gateway ins Mobilfunknetz weitergeleitet. Ein ankommender Anruf wird, wenn der Angerufene nicht über Mobilfunk erreichbar ist, in ein VoIP-Telefonat gewandelt und an die Libon-App im WLAN-Netz durchgestellt. Das ist interessant, wenn der Mobilfunkempfang in Gebäuden mangelhaft ist oder auch, um im Ausland unter der eigenen Nummer erreichbar zu sein. Statt Roaming-Gebühren an einen fremden Provider zu verlieren, verkauft Orange ein "Voice Roaming Pack". Der Provider wird also selbst zum OTT-Nutzer in anderen Netzen. (rek)