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LTE-Versorgung: Technik-Großaufgebot zum Geburtstags-Event von Pokémon Go

Mit zusätzlichen Mobilfunkmasten stellen Provider wie Telefónica die Versorgung zehntausender Spieler gleichzeitig sicher.

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(Bild: Telefónica)

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Bis zu 170.000 Spieler werden in den kommenden Tagen im Dortmunder Westfalenpark zum dritten Geburtstag von Pokémon Go erwartet. Bei einem Pressetermin erklärte Telefónica Deutschland, wie sie als Provider mit einem solchen Ansturm umgehen.

Die Versorgung von Großereignissen wie dem Münchner Oktoberfest oder dem Deichbrand-Festival gehört zum Alltagsgeschäft der Provider. "Dieses Event ist aber der absolute Sonderfall", sagt Netzplaner Hashem Farahi in Dortmund. Während die üblichen Festivalbesucher vor allem auf eine störungsfreie Telefonverbindung Wert legen und gelegentlich Chat-Nachrichten verschicken, wollen die Pokémon-Fans vor allem eine unterbrechungsfreie und performante Datenverbindung haben, um Alola, Nidora und Bronzong zu jagen und in den Arenen gegeneinander antreten zu lassen. "Hier geht es zu 99 Prozent darum, dass die Datenübertragung funktioniert", erklärt Farahi.

Erfahrung hatten die Mobilfunker bereits im vergangenen Jahr gesammelt. Damals beschwerten sich Spieler von Pokémon Go anfangs über schlechte Mobilfunkverbindungen. Im Telefónica-Netz sei jedoch alles in Ordnung gewesen, beteuert Farahi. So seien pro Tag bis zu 600 GByte an Daten über die Mobilfunkstationen von Telefónica gesendet worden. Luft nach oben habe es trotzdem noch gegeben.

In diesem Jahr hat sich der Konzern noch etwas besser auf die datenhungrigen Spieler eingestellt und gleich drei mobile Stationen aufgestellt: Eine in der Mitte des Westfalenparks, zwei an den Rändern. Zudem hat Telefónica die umliegenden regulären Mobilfunkstationen auf den Ansturm eingestellt.

Der Westfalenpark ist zwar mit Mobilfunk abgedeckt, um auch größere Veranstaltungen zu bewältigen. "Je mehr Nutzer die Datenverbindung nutzen, umso geringer ist der Radius, den die Stationen abdecken können", erklärt Farahi. Wenn Zehntausende Spieler gleichzeitig auf dem 70 Hektar großen Gelände unterwegs sind und oftmals sogar mehr als ein Smartphone dabei haben, wären die herkömmlichen Mobilfunkstationen rund um den Park hoffnungslos überlastet.

Deshalb schöpft der Provider in diesem Jahr frequenztechnisch aus dem Vollen. Jede Anlage sendet in den drei LTE-Bändern bei 1800 MHz, 2100 MHz und 2600 MHz sowie in einem UMTS-Band auf 2100 MHz. Die Antennen wurden so eingerichtet, dass sie den Park ideal ausleuchten. Die Datenverbindung der Stationen selbst läuft jeweils über eine Richtfunkverbindung.

Mobilfunkstationen für Pokémon-Go-Geburtags-Event (6 Bilder)

Mit dieser Steueranlage kann die Antenne auf dem LKW genau ausgerichtet werden.
(Bild: Torsten Kleinz)

"Der Aufbau vor Ort ist relativ schnell erledigt", sagt Stefan Braun, der die Technik vor Ort betreut. Der Aufbau im Westfalenpark sei mit mobilen Stationen innerhalb eines Tages geschafft worden. Telefónica hat dazu drei mobile Stationen geschickt, die in einem LKW eingebaut sind. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo kurzfristig und schnell eine Mobilfunkanbindung geschaffen werden muss. Der Antennenmast kann hier ohne zusätzliche Anlagen ähnlich wie bei Hebebühnen auf 18 Meter ausgefahren werden.

Bei größeren und längeren Festivals setzen die Provider eher auf Holzmasten, die vergleichsweise schnell auf einem Betonfundament errichtet werden können. "Bei komplett neuen Standorten sind die Arbeiten in einer Woche erledigt", sagt Braun. Im Bedarfsfall können auch kleinere Stationen per Anhänger an die Festgelände geholt werden, um Lücken auszuleuchten.

Die internen Vorbereitungen dauern jedoch wesentlich länger. So hat Telefónica bereits vor vier Monaten damit begonnen, den Auftritt im Westfalenpark zu planen. Ein wesentlicher Punkt sind die vielen Genehmigungen, die zum Betrieb einer temporären Mobilfunkstation notwendig sind. So müssen die Stationen samt Standort und Strahlenbelastung von der Bundesnetzagentur genehmigt und Richtfunkstrecken beantragt werden.

Abhängig vom Standort kommen auch noch die Beachtung von Bauvorschriften hinzu. Bei besonders hohen Masten müssen die Planer zudem die Luftrechte abklären. Auch das temporäre Mobilfunknetz muss genau geplant werden: Die Techniker müssen die mobilen Stationen so programmieren, dass Gespräche an die nächste Zelle übergeben werden können.

Zusätzlich müssen sich die Mobilfunk-Provider untereinander abstimmen, um sich nicht gegenseitig zu behindern. So kann eine Antenne wenig bewirken, wenn in fünf Metern Entfernung der Stahlmast eines Konkurrenten steht. Oder Techniker aus Versehen die falsche Richtfunkfrequenz einstellen und damit andere Funkverbindungen blockieren.

Die Telefónica-Techniker sind zuversichtlich, dass sie das Pokémon-Go-Event zum dritten Geburtstag ohne Störungen bewältigen. Durch die längere Dauer der Veranstaltung sei ohnehin mit weniger massivem Aufkommen als im Vorjahr zu rechnen. Zudem sei das Mobilfunksystem durchweg redundant aufgebaut. Selbst wenn ein Frequenzmodul plötzlich nicht mehr funktioniere, sei ein Ersatz in nur drei Stunden sichergestellt. (olb)