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Länder-Domains: .me und .rs ersetzen .yu

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Die internationale Domainszene ist in Bewegung. Die Republiken Montenegro und Serbien erhalten ihre eigenen country Code Top Level Domains (ccTLD) .me und .rs, die Tage von .yu sind hingegen gezählt. Auch Nordkorea könnte bald mit eigenen Domains unter .kp im Internet vertreten sein. Entsprechende Entscheidung hat das Board of Directors der Internet-Verwaltung ICANN vergangene Woche getroffen.

ICANN folgt bei den Delegationen den offiziellen Abkürzungen entsprechend der ISO 3166-1-Liste. .me steht dort für die Republik Montenegro, deren Regierung die ccTLD verwalten wird. .rs steht für die Republik Serbien, wo RNIDS die Verwaltung übernehmen wird. Dabei handelt es sich um jene Organisation, die bisher schon .yu verwaltet hat. Die Eintragung der neuen ccTLD in die Rootzone des Domain Name System (DNS) wird in den nächsten Wochen erfolgen. Neuregistrierungen unter .yu sollen danach nicht mehr möglich sein. Voraussichtlich zum 30. September 2009 soll .yu deaktiviert werden.

Die Verwaltung der .kp-Domains wird das Korea Computer Center übernehmen. Welche Pläne das kommunistische Land verfolgt und wer .kp-Domains zugeteilt bekommen wird können, ist nicht bekannt. In Nordkorea haben nur auserkorene Bürger Zugang zu Internet-Diensten.

Die Liste der nicht zugeteilten Ländercodes schrumpft damit von fünf auf zwei: .eh und .um. Bei .um handelt es sich um den Code für die United States Minor Outlying Islands. Die Verwaltung der .um-Zone war 1997 an das Information Science Institute (ISI) der Universität von Südkalifornien vergeben worden. Das ISI nahm damals auch jene Rollen wahr, die heute von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) erfüllt werden. Doch .um blieb ungenutzt.

Im Oktober 2006 teilte das ISI der ICANN schließlich mit, die leere Zone nicht länger verwalten zu wollen. Im Januar folgte die ICANN dem Gesuch und ließ .um aus der Rootzone löschen. Damit wurde zum ersten Mal in der Geschichte eine TLD-Zone gelöscht, ohne dass dies auf eine Änderung der ISO-3166-1-Liste wegen einer Namensänderung oder Auflösung eines Landes zurückzuführen gewesen wäre. In ihrer Entscheidung hielt die ICANN ausdrücklich fest, dass eine spätere Delegation von .um an einen neuen Verwalter möglich ist. Derzeit ist .um allerdings wieder unter den verfügbaren und konnektierten ccTLDs gelistet.

Bei .eh handelt es sich um den Code für die als Westsahara bekannte Demokratische Arabische Republik Sahara. Das rohstroffreiche, mit etwa einer Viertelmillion Einwohner dünn besiedelte Land ist seit 1975 von Marokko besetzt. Die Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara, Frente Polisario, hatte bei der ICANN um Zuteilung der .eh-Zone nachgesucht. Daraufhin brachte die marokkanische Regulierungsbehörde einen gleichartigen Antrag ein. Die ICANN hat die beiden Parteien nun darum ersucht, einen gemeinsamen Weg auszuarbeiten. Angesichts der politischen Situation dürfte das aber ein frommer Wunsch bleiben. Der Unabhängigskeitsbewegung freundlich gesinnte Webseiten werden im marokkanischen Teil des Internets sogar zensiert. Daher ist unklar, wann es zu einer Delegation von .eh kommen wird. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)