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Land Brandenburg will sich weiter für Open Source öffnen

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Das Landeskabinett Brandenburgs wird sich am kommenden Dienstag mit der neuen IT-Strategie für den öffentlichen Sektor beschäftigen. Sie ist in einem gut 50-seitigen Papier zusammengefasst und von den entscheidenden Ressorts bereits größtenteils abgesegnet worden. Ein Kern der auf fünf Jahre angelegten Eckpunkte ist neben der Zentralisierung von IT-Diensten die Öffnung des Marktes -- auch in Richtung freie Software. "Open-Source-Software und proprietäre Software sollen künftig gleichberechtigt sein", hieß es vorab in der IT-Leitstelle des brandenburgischen Innenministeriums. Jede Behörde werde künftig nach "funktionalen und sicherheitstechnischen Gesichtspunkten frei entscheiden können", ob sie mit Microsoft-Produkten oder mit quelloffenen Alternativen arbeiten wolle. Man lege dabei vor allem Wert auf offene Schnittstellen, um die freie und die proprietäre Softwarewelt möglichst nahtlos miteinander zu verbinden.

Als Vorbild galt den Planern aus der Mark die eidgenössische IT-Strategie, die in typisch Schweizer Manier ebenfalls die Neutralität hoch hält. Dem Wettbewerb soll Tür und Tor geöffnet werden -- und dies in einem armen Bundesland wie Brandenburg natürlich vor allem im Hinblick auf die mögliche Kostenersparnis. "Wer künftig das beste Angebot macht, macht das Rennen", verlautbarte aus der Potsdamer Staatskanzlei. Die Wirtschaftlichkeitsrechnungen werde man aber durchaus auf einen längeren Zeitraum anlegen. Dass Open Source anfangs etwas teurer werden könne, dürfte demnach in den künftigen Einsatz-Szenarien keine Rolle spielen. Denn wenn die "Bugwelle" an Kosten durch sei, weiß man in der Staatskanzlei, spare man umso mehr und könne sich den ständigen Release-Wechseln Microsofts entziehen.

Völliges Neuland betreten die Brandenburger im Bereich freier Software nicht. So hat etwa die märkische Bauverwaltung bereits gut 1000 Arbeitsplätze mit OpenOffice bestückt. Auch der Landtag hat vor zwei Jahren etwa 100 PCs auf Linux und StarOffice 5.2 umgestellt. "Das war die wirtschaftlichste Lösung", erklärte Holger Nitzsche, Referent für Kommunikation und IT in der Landtagsverwaltung, gegenüber heise online. Da man von Windows 3.12 mit Word Perfect gekommen sei, habe der Schulungsaufwand zwischen der gewählten Open-Source- und einer aktuelleren Microsoft-Lösung genauso hoch gelegen. Insgesamt zeigt sich Nitzsche durchaus zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg: "Intern gibt es keine Probleme und die externen kriegen wir auch hin", sagt der EDV-Experte im Hinblick auf teilweise auftretende Konvertierungsschwierigkeiten zwischen Textverarbeitungsprogrammen.

Bestimmte Produkte mit offenem Quellcode wollen die Brandenburger im Rahmen ihrer neuen Strategie künftig "unter Beobachtung" nehmen und in Feldversuchen testen. Einen großflächigen Umstieg auf Open Source können sich die meisten Experten der Landesregierung momentan vor allem im Office-Bereich vorstellen. Auch Komplett-Umstellungen ganzer Ämter auf freie Software steht mit dem Papier nach seiner Verabschiedung aber nichts mehr im Weg. (Stefan Krempl) / (jk)

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