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Langes Siechtum der Europa-Domain

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Frühestens ab 2003 darf man auf die lange geplante europäische Top Level Domain (TLD) ".eu" hoffen. Diese Ansicht vertrat beim 3. ICANN-Studienkreis der Vertreter der Generaldirektion Informationsgesellschaft Richard Delmas. Die Kommission in Brüssel arbeitet seit Ende 1999 an einer Verordnung für die Domain, sie gilt als erklärter Bestandteil der Initiative eEurope. Da die Mühlen in Brüssel und Straßburg so langsam mahlen, wird ".eu" inzwischen auch schon von manchem Unternehmen als "tot" bezeichnet.

Ursprünglich war die eu-Domain einmal als verlässliche Konkurrenz zur überlaufenen und weiterhin vom ungeliebten Ex-Monoplisten VeriSign/NSI dominierten com-Namenszone gedacht. Aber dieses Moment hat die mit Elan gestartete Initiative lang eingebüßt, inzwischen sind die neuen Top Level Domains an .eu vorbeigezogen. Das Siechtum der auch von ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) im Prinzip bereits bewilligten TLD, die den Status der ersten "regionalen Länderdomain" erhalten soll, rührt vor allem von der Schwierigkeit, die Vorstellungen von Kommission, Europäischem Rat und Parlament unter einen Hut zu bringen. Noch immer fehlt es an einem endgültigen Text für die Verordnung.

In der vergangenen Woche hat der Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments noch einmal Änderungen im Text des von den Regierungsvertretern im Rat beschlossenen Gemeinsamen Standpunktes vorgeschlagen. Vor allem empfiehlt die Arbeitsgruppe, soweit als möglich das First-come-first-serve-Prinzip zur Grundlage der Registrierung zu machen. Die Vertreter des Rates hatten mit ihrer Forderung, dass jedes Land nach eigenem Belieben Einschränkungen bei der Verwendung von geographischen und politisch-administrativen Adressen machen kann, die Angst vor einem zu bürokratischen Registrierverfahren genährt. Europäische Registrare hatten bei unzähligen von der Kommission abgehaltenen Treffen betont, dass ein automatisierter, möglichst einfacher Registrierprozess eine Voraussetzung für den Erfolg von .eu sein wird.

Uneinig sind sich Rat und Parlament auch in der Frage, wie stark ein mit Regierungsvertretern besetztes Telekommunikations-Komitee und auch das Parlament Einfluss auf den Betrieb der .eu nehmen soll. Ein solches Komitee könnte die Kommission und die zukünftige Registry bei der effektiven und wirksamen Umsetzung einer Politik für die TLD über Gebühr behindern. Tatsächlich haben europäische Registrarunternehmen zeitweilig bereits darüber nachgedacht, unter Umgehung des aktuellen Prozesses selbst die Delegation bei der ICANN zu beantragen. Doch die Unternehmen sind so wenig einig wie die Politiker. Ein halbes Dutzend konkurrierende Organisationen arbeitet an Regularien für die neue TLD.

Nach der zweiten Lesung im Parlament, die für Ende Februar anberaumt ist, soll im März 2002 nun erst einmal eine sogenannte "Implementierungsphase" beginnen. Darin sollen die genauen Kriterien für die nicht-kommerzielle Registry festgelegt werden. Anfang 2003 könnten sich, meint Delmas, die ersten Interessenten für .eu eintragen lassen. (Monika Ermert) / (anw)