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Langsamer Fortschritt bei Paypal-Alternative: Sparkassen führen Paydirekt ein

Mit Paydirekt wollen die deutschen Banken Paypal die Stirn bieten. Viele Banken offerieren es inzwischen – aber längst nicht jeder Kunde meldet sich auch dafür an. Und die Zahl der Onlinehändler, die es annehmen, ist überschaubar.

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(Bild: dpa, Arno Burgi)

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Immer mehr deutsche Banken bieten Kunden ihr gemeinsames Bezahlsystem Paydirekt an: Am morgigen Mittwoch soll es bei den Sparkassen so weit sein, wie die Bankengruppe via Twitter verlauten ließ. Dem IT-Finanzmagazin zufolge könnten somit potenziell 15 Millionen Girokonten bei Paydirekt angemeldet werden. Ebenfalls ist jetzt auch die Targobank mit dabei, deren laut Mitteilung 1,09 Millionen Kunden sich mit freigeschaltetem Onlinebanking bei Paydirekt anmelden können.

Paydirekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Banken, das Paypals Übermacht beim Online-Shopping brechen soll. Große Privatbanken, Volksbanken und Sparkassen sind alle mit an Bord. Die Nutzer sollen damit direkt von ihrem Girokonto schnell und einfach Käufe bezahlen können. Käuferschutz, automatische Altersverifikationen und Betrugsschutz für Händler sind Teil des Pakets. Als erste Bank hatte die Hypovereinsbank im vergangenen November Paydirekt für ihre Onlinebanking-Kunden verfügbar gemacht. Mit der Aufschaltung der Sparkassen seien es jetzt 1.400 Banken und Sparkassen, sagte eine Sprecherin des Bezahldienstes.

Wenn die Banken ihren Kunden das Verfahren anbieten, heißt das aber nicht, dass diese sich auch für Paydirekt anmelden. Laut Angaben des Bezahldienstes haben das bislang etwas über 250.000 Personen getan. Eine bescheidene Zahl im Vergleich zu rund 16 Millionen Paypal-Kunden in Deutschland. Ein möglicher Grund: Es gibt wenig Händler, die Paydirekt akzeptieren – die Kunden können also noch nicht viel damit anfangen.

Bei der Händlerakquise ist Paydirekt im Nachteil: Die Banken haben mit der Kartellbehörde vereinbart, dass die Händler die Zahlungsgebühren mit den jeweiligen Banken beziehungsweise Bankengruppen einzeln aushandeln. Was für Onlinehandelsriesen mit großer Verhandlungsmacht attraktiv sein mag, ist für kleinere und mittlere Händler eher eine Bürde. Um den Aufwand gerade für kleinere Shops zu verringern, setzt Paydirekt auf ein sogenanntes Konzentratorenmodell. Payment-Service-Provider, von denen die Händler ihre Bezahlabwicklung einkaufen, treten dabei als Mittelsmänner auf. Erster Konzentrator ist laut Paydirekt der Anbieter Concardis, der rund 110.000 Handelskunden betreut.

Ob das für mehr Schwung sorgt, bleibt abzuwarten – derzeit sieht es an der Händlerfront noch sehr überschaubar aus: Rund 60 Shops akzeptierten aktuell Paydirekt, wie die Sprecherin erklärte. Dazu zählen etwa der Technikhändler Alternate und der Onlineshop von Haribo. Mit weiteren großen Unternehmen sei man in Verhandlungen. Zu bislang abgewickelten Zahlungsvolumina machte Paydirekt keine Angaben. Zu einem früheren Zeitpunkt hieß es auch, der Metrokonzern habe zugesagt; zur Anbindung dessen großer Marken Media Markt und Saturn gab es aber keine neuen Auskünfte.

Zahlreiche kritische Stimmen hatten den Start von Paydirekt begleitet. Das System komme zehn Jahre zu spät, um dem Platzhirschen Paypal jetzt noch Paroli bieten zu können, war der einhellige Tenor. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hob erst vor kurzem in einer Rede das Potenzial des Systems hervor. Die Erfolgsvoraussetzungen seien gut, das Verfahren attraktiv. Doch für die breite Händlerakzeptanz seien klare Signale nötig. Die Banken sollten nicht noch parallel in eigene Verfahren wie Giropay investieren, sondern lieber zum gemeinsamen Projekt stehen.

[UPDATE, 26.04.2016, 18:15]

Angaben von Paydirekt wurden ergänzt. Die Formulierung zu den Vorgaben bei den Zahlungsgebühren wurde richtig gestellt.

(axk)