Langzeitarchiv für digitale Medien

Das deutsche Projekt "Kopal" soll auch alte Digitaldaten über Jahrhunderte lesbar erhalten.

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Das Bundesbildungsministerium fördert mit insgesamt 4,2 Millionen Euro den Aufbau eines Langzeitarchivs für digitale Informationen. Das Projekt namens "Kopal" soll unsere computerisierten Hinterlassenschaften für künftige Generation erhalten und Kompatibilitätsprobleme, die sich aus dem Nebeneinander alter und neuer Speichermedien ergeben, verschwinden lassen.

Seit Juni ist das System bei der Deutschen Nationalbibliothek sowie der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen in Betrieb, berichtet das Technologiemagazin Technology Review. Dabei geht es um weit mehr als die Rettung von literarischen Schätzen: Auch andere Institutionen und Unternehmen können davon Gebrauch machen. Sie haben die Wahl, ob sie ihre Datensicherung komplett an Kopal delegieren, dort ein eigenes digitales Schließfach betreiben oder ihre Daten selbst, aber mit Betreuung durch das Projekt, archivieren möchten. Zudem wird die Software dahinter, die zusammen mit IBM entwickelt wurde, getrennt vermarktet.

Vor allem bei Kultur und Wissenschaft gibt es akuten Handlungsbedarf: "Das 19. Jahrhundert ist bedeutend besser dokumentiert als die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts", sagt Kopal-Gesamtprojektleiter Reinhard Altenhöner von der Deutschen Nationalbibliothek. Um die Gegenwart ist es kaum besser bestellt. Die Datenflut, die es zu bändigen gilt, schwillt immer mehr an; gleichzeitig sinkt die Qualität der gängigen Speichermedien: "Die Haltbarkeits-Prognose von selbst gebrannten CDs ist sehr schlecht. DVDs sind tendenziell sogar noch schlechter, weil sie dichter beschrieben werden", sagt Altenhöner.

Neben der klassischen Methode der so genannten Bitstream Preservation, bei der die Daten regelmäßig auf neue, aktuelle Speichermedien umkopiert werden, setzt Kopal auch auf einen neuartigen Ansatz: Um auch die historische Formatvielfalt in den Griff zu bekommen, haben die Kopal-Partner eine Software entwickelt, die automatisch technische Eckpunkte einer Datei – also Format, Betriebssystem, Versionsnummer der verwendeten Software und dergleichen – extrahiert und in eine Datenbank schreibt. So haben die Archivare einen Überblick darüber, welche Dateien auf einer vom Verschwinden bedrohten Software beruhen. Damit diese Metadaten nicht ihrerseits irgendwann unleserlich werden, werden sie im weit verbreiteten Klartext-Format XML abgespeichert, das Menschen notfalls auch ohne spezielle Software lesen können.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

Siehe dazu auch:

  • In Bits gemeißelt, Digitales Langzeitarchiv-System für die Bundesrepublik, c't 17/06, S. 88

(bsc)