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Lawrence Lessig: Das alte Copyright muss weg

Lawrence Lessig

(Bild: Lawrence Lessig)

Das Recht ist aus dem Tritt geraten. Mit der enormen technischen Entwicklung im 21. Jahrhundert können die Normen des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr Schritt halten. Vor allem das Urheberrecht hat die schwierige Balance zwischen Rechtsgüterschutz und Rahmensetzung für Kulturproduktion verloren. "Dieses Recht müssen wir ändern", forderte der US-amerikanische Jurist und Internetexperte Lawrence Lessig auf dem 14. Trendtag am heutigen Donnerstag in Hamburg. Der "Trendtag", veranstaltet vom "Trendbüro" von Peter Wippermann, seines Zeichens Professor für Kommunikationsdesign, steht in diesem Jahr unter dem Motto "Sozialer Reichtum: Wer teilt, gewinnt"

Lessig ist ein ausgesprochener Kritiker des traditionellen Urheberrechts, dessen Ansatz er für überholt hält. Der Stanford-Professor zeichnet die Entwicklung der Kulturproduktion von der partizipativen Kultur vergangener Tage zur reinen Konsumkultur des 20. Jahrhunderts nach, die er "Read only" nennt. Mit der Ära des Internets habe sich das erneut gewandelt und der Mensch wurde wieder ermächtigt, aktiv mitzumachen. Dabei erobern sich die Bürger auch wieder den politischen Raum und finden neue Möglichkeiten der Beteiligung.

Diese schöne neue Welt sieht Lessig in Gefahr, das geltende Recht wirke "korrodierend" auf diese sozialen Prozesse. Dabei sei es weitgehend wirkungslos: Der Krieg gegen Filesharing tobe nun seit zehn Jahren, habe aber nichts hervorgebracht, außer eine ganze Generation zu kriminalisieren. "Beendet diesen Krieg jetzt", ruft der Jurist seinen Kollegen in den Kanzleien, Lobbies und Ministerien zu.

Lessigs Rezept ist einfach: Insbesondere die Anwälte, die Lessig – ganz Nestbeschmutzer – als "irrsinnig" bezeichnet, müssten sich locker machen. Das Kernproblem sei die Fixierung auf ein Konzept des 20. Jahrhunderts: die Kopie. In der Ära des sozialen Webs bedeute jede Nutzung automatisch ein Kopie – und damit einen Verstoß gegen geltendes Recht. Das müsse aber über den Begriff hinaus mehr auf den Kontext achten.

Ein neues, nicht nur im Detail verändertes, sondern von Grund auf saniertes Urheberrecht nach Lessigs Vorstellung schafft mehr Freiräume für die legale Nutzung geschützter Güter, mehr Raum für "Fair Use". Es müsse fragen, ob professionelle Nutzung vorliegt oder Amateure kreativ mit den Gütern umgehen. Ein kreativer "Remix", wie Lessig sie vielfach auf Youtube findet, dürfe nicht gesetzwidrig sein.

Dass noch das Gegenteil der Fall ist, und viele Anwälte bei ihrer Fixierung auf die "Copy" den auch im geltenden Gesetz vorgesehenen "Fair Use" über Gebühr einengen, musste Lessig in jüngster Vergangenheit selbst erfahren: Das Video eines Vortrags ähnlich dem heute in Hamburg gehaltenen, das zur Illustration nur kurze Musikschnipsel enthält, wurde auf Beschwerde von Warner Music vorübergehend von Youtube entfernt.

Für Lessig nur ein weiterer Beweis seiner These, dass das geltende Urheberrecht niemals mit moderner Technologie in Einklang zu bringen ist. Mit seinem Appell dringt er bisher noch nicht recht durch, wie nicht nur die jüngsten Initiativen aus Wirtschaft und Politik zeigen, ob in Europa oder den USA. Hier herrscht noch der verzweifelte Versuch vor, die neuen Technologien den geltenden Gesetzen unterzuordnen. Mit aller Macht. (Volker Briegleb) / (vbr)

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