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Update  | Technology Review

Leben in der Kilowattkommune: Lokales Smart Grid für Norderstedt

Eine energieautarke Siedlung in Norddeutschland will sich nicht nur unabhängig von Energieerzeugern machen, sondern auch ein intelligentes Stromnetz betreiben. Für neue Bewohner bedeutet dies aber: Häuser nur mit Zusatzpaket.

Wer ein neues Haus baut, will nicht unbedingt auch ein Auto dazu kaufen. Doch genau das war Vorbedingung für die Bauherren einer neuen Mustersiedlung in Norderstedt. Das Elektroauto Nissan Leaf ist Teil eines Pflichtpakets, zu dem unter anderem noch eine Photovoltaik-Anlage, ein Hausstromspeicher in Form einer Lithium-Ionen-Batterie und ein Nahwärmeanschluss gehören. Das Zusatzpaket summiert sich zwar auf 60.000 Euro, bietet dafür aber ein großes Versprechen: Die Bewohner sollen sich damit komplett unabhängig von Energieerzeugern machen können, berichtet Technology Review in seiner September-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar).

Die Hälfte der Grundstücke ist bereits an Bauherren verkauft, fünf Häuser komplett und fünf fast fertiggestellt. Fast alle Käufer gingen sogar freiwillig über die Auflagen hinaus und ließen sich mehr als die im Bebauungsplan vorgesehene Mindestfläche von 25 Quadratmetern Photovoltaik-Elemente aufs Dach schrauben. Damit übertreffen sie die anvisierte Spitzenleistung von 3,6 Kilowatt pro Dach.

Das Besondere an der Solarsiedlung: Anders als frühere Siedlungen, die Energieautarkie für sich reklamieren, wollen die Norderstedter sich nicht nur rein bilanziell selbst versorgen, sondern sich tatsächlich weitgehend physikalisch vom Netz unabhängig machen. Aufs gesamte Jahr gerechnet soll die Siedlung einen elektrischen Deckungsgrad von 72 Prozent erreichen. Die restlichen 28 Prozent übernimmt ein wärmegeführtes Erdgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) der Stadt Norderstedt in einer nahe gelegenen Schule. (Marc Wilhelm Lennartz)

Siehe dazu in Technology Review online:

Update:
In einer früheren Version des Artikels hieß es, alle 27 Grundstücke seien verkauft. Tatsächlich hat die Immobiliengesellschaft Schilling nur 13 selbst an Bauherren verkauft, die restlichen 14 erwarb ein anderer Bauträger. Der hat seinerseits noch nicht alle veräußert. Zudem ist derzeit unklar, ob das Strom- und Wärmenetz wie ursprünglich geschrieben, in das Eigentum der Bauherren übergehen wird.

Diese Korrekturen erfolgten anhand zusätzlicher Informationen von einer Bauherren-Initiative und der Immobiliengesellschaft Schilling. Allerdings können wir im Rahmen des Artikels nicht auf alle Kritikpunkte eingehen, die auf der – erst nach Veröffentlichung online gestellten – Webseite der Bauherren aufgezählt werden. Wir haben diejenigen Aspekte des Pilotprojekts aktualisiert, die auch im Text vorkommen und deren Inkorrektheit oder Ungenauigkeit wir nach Rücksprache mit beiden Parteien nachvollziehen können. Dispute über geplante Vorhaben, die nicht wie vorgesehen verwirklicht werden können oder nicht mehr gewünscht sind, können wir nicht moderieren. (bsc)

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