Menü

Lehrer fordern Tempo und klare Linie für Digitalisierung an Schulen

Bei der Digitalisierung der Schulen läuft einiges schief. Die Politik verspricht Fortschritte – in Zukunft. Digitale Inhalte beim Lehramtsstudium – ein Placebo.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 125 Beiträge

(Bild: dpa, Julian Stratenschulte)

Von

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) hat seine Forderung nach mehr Tempo und einer besseren Koordinierung bei der Digitalisierung an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns erneuert. Unzureichende Netzanbindung der Schulen und das Fehlen einheitlicher Vorgaben würden vor Ort die Einführung und Nutzung der neuen technischen Lehr- und Lernmöglichkeiten erheblich behindern. "Vor allem Schulen im ländlichen Raum drohen abgehängt zu werden mit fatalen Folgen für die Schüler dort und die Orte", warnte der Landesvorsitzende Michael Blanck auf dem Lehrertag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) am Samstag in Schwerin.

Eltern würden, um die Chancen ihrer Kinder zu wahren, diese dann lieber in städtischen Schulen mit besseren technischen Möglichkeiten anmelden. Das wiederum könne ein neuerliches Schulsterben auf dem Lande in Gang setzen. "Was die Digitalisierung an neuen Möglichkeiten bringt, haben uns Fachleute vor Augen geführt. Mit Hilfe neuer Apps können Zeitzeugen gewissermaßen direkt in den Unterricht geholt oder die Erdkugel in den Klassenraum projiziert werden", berichtete Blanck, nach dessen Worten der Verbandstag auch der Fortbildung diente.

Doch dazu bedürfe es leistungsfähiger Internetanschlüsse, was er auch Bildungsministerin Bettina Martin (SPD), die ein Grußwort an die Tagung gerichtet hatte, nochmals eindringlich deutlich gemacht habe. Zudem erhob Blanck die Forderung nach einer kontinuierlichen Weiterbildung der Pädagogen, damit diese auch die neuen technischen Möglichkeiten einsetzen können.

Martin kündigte an, dass die Lehrerfortbildung in den kommenden Jahren gezielt auf das Thema Medienbildung konzentriert werde. Zudem habe es in den zurückliegenden Wochen Regionalkonferenzen mit Schulleitern gegeben, um die Erstellung der individuellen Medienbildungskonzeptionen für jede Schule vorzubereiten. "Diese Konzeptionen sind erforderlich, damit auch das Geld aus dem Digitalpakt Schule fließen kann, aus dem wir vom Bund 100 Millionen Euro bekommen", sagte Martin. Die Förderrichtlinie sei in der Endabstimmung. "Wir werden noch in diesem Jahr bei der Mittelvergabe einen großen Schritt machen. Jede Schule wird profitieren", versicherte die Ministerin.

Kritik kam von der Opposition. Nach Ansicht von Linke-Landtagsfraktionschefin Simone Oldenburg werden die künftigen Lehrer nur unzureichend auf das digitale Zeitalter vorbereitet. Die Ausbildung für digitale Lehrinhalte und Medienbildung im Lehramtsstudium sei unverbindlich, die Einrichtung von Juniorprofessuren für Medienbildung an den Universitäten Rostock und Greifswald somit "nichts weiter als ein Placebo der Landesregierung", kritisierte sie. (bme)