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Leipziger Buchmesse: Buchhandel zwischen Amazon und E-Book

Auf der Leipziger Buchmesse werden in diesen Tagen nicht nur traditionell die Neuerscheinungen des Frühjahres vorgestellt. Die Branche sucht nach Orientierung in unruhigen Zeiten.

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(Bild: Johannes Haupt)

Crowdfunding, E-Book-Label, Concept Stores – die Buchbranche sucht auf der Leipziger Buchmesse nach neuen Geschäftsmodellen. Der Schock der Weltbild-Insolvenz im Januar, mit der einer der wichtigsten Handelspartner der Verlage einer ungewissen Zukunft entgegensieht, steckt vielen Fachbesuchern noch in den Knochen. Hinzu kommen die neuen verlegerischen Ambitionen von Amazon, das der Buchmesse als Aussteller fernblieb.

Das Verhältnis der Branche zu Amazon brachte Marcel Hartges, Chef des Piper Verlages, auf einer Konferenz auf der Buchmesse auf den Punkt. Amazon habe sich vom Angler im Lesermeer zu einem Schlepptaufischer gewandelt, der mitnehme, was geht. Das schließe auch Autoren ein, die Amazon mit seiner Marktmacht und mit konkurrenzlos hohen Umsatzbeteiligungen für sich zu gewinnen versucht. Hartges verwies darauf, im Vergleich böten klassische Verlage mehr Leistungen und gingen ins Risiko, auch indem sie Vorschüsse zahlten, die sie nur in rund 50 Prozent der Fällen wieder einspielten. "Autoren gehen nur zu Amazon, wenn sie keinen normalen Verlag finden." Das werde sich wohl auch mit dem Amazon-Verlag nicht ändern, denn es sei kaum davon auszugehen, dass Buchhändler die Bücher des Rivalen in ihre Regale stellen.

Piper-Verleger Hartges (l.), Osiander-Chef Riethmüller

(Bild: Johannes Haupt)

Dem pflichtete Heinrich Riethmüller bei, Chef des regionalen Filialisten Osiander und als Vorsteher des Börsenvereins sozusagen das offizielle Sprachrohr der Branche. Indie-Autoren seien komplett nicht interessant für Osiander. Er rate Autoren, zu versuchen, durch den Flaschenhals Verlag zu kommen – "denn da sitzen Profis, die wissen wie es funktioniert".

Viele erfolgreiche verlagsunabhängige Autoren sehnen sich indes überhaupt nicht nach einer kuschligen Verlagsheimat. Michael Meisheit, der am Samstag mit dem Indie-Autor-Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wird, erklärte im Gespräch mit heise online, er fühle sich derzeit bestens aufgehoben bei Amazon. Grundsätzlich könne er sich zwar eine Zusammenarbeit mit Verlagen vorstellen – seine lukrativen E-Book-Rechte abzugeben, was Verlage für einen Vertrag meist voraussetzen, sei für ihn aber unattraktiv.

Seit Jahren ist die Zahl der stationären Buchhandlungen massiv rückläufig, die Weltbild-Pleite beschleunigt den Flächenrückgang jetzt noch einmal. Entsprechend akut ist die Frage nach der Zukunft des Buchverkaufs. Riethmüller, dessen Kette Osiander in den vergangenen Jahren entgegen dem Trend kräftig zulegte, sorgt sich wenig. Es gebe zwar eine Tendenz zum Digitalbuch, der Marktanteil werde sich in den nächsten zehn Jahren allerdings wohl bei 20 bis 30 Prozent einpendeln. An Multichannel, also der Verbindung von Ladengeschäft und Onlineauftritt, führe aber schon lange kein Weg mehr vorbei.

Die Suche nach neuen Buchpräsentationen treibt auch Verlage um. Bastei Lübbe betreibt in Köln sogar einen eigenen Buchladen, in dem neue Konzepte ausprobiert werden. Verlagsleiter Klaus Kluge merkte in seinem Vortrag an, dass sich in Buchhandlungen in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas getan habe, während sich die Präsentation anderswo – etwa in Elektronik- und Baumärkten oder in Modeläden wie Abercrombie & Fitch – radikal verändert habe.

Im verlagseigenen "Siebten Himmel" solle sich der Kunde wie in seinem Wohnzimmer fühlen, erklärte Kluge. Dazu wird auch Mode angeboten (nebst der passenden Printratgeber) und werden zahlreiche Wohnaccessoires verkauft, Design spielt eine große Rolle. Konsequenz: Während sich außergewöhnliche Bücher bestens verkauften, spielen die eigentlichen Bestseller des Verlages wie Bücher von Dan Brown und Simon Beckett überhaupt keine Rolle.

Den Stein der Weisen gefunden zu haben, nimmt aber auch Bastei Lübbe nicht für sich in Anspruch. Die schwarze Null sei noch in weiter Ferne, räumte Verlagschef Kluge ein. Gefragt nach der Perspektive ironisierte er eine lange Zeit beliebte Strategie in der Branche: "Wir geben dem Store fünf Jahre, dann verlängern wir noch einmal um fünf Jahre, und dann bin ich auch schon in Rente." (anw)