Lenovo bringt chinesische Spielkonsole mit Bewegungssensor

Mit einem halben Jahr Verspätung kommt in China die ehemals als Eedoo iSec geplante Multimedia-Konsole unter dem Namen CT510 auf den Markt und bringt eine Kinect-ähnliche Kamerasteuerung mit.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 18 Beiträge
Von
  • Hartmut Gieselmann

Von dem einst futuristischen Design ist kaum mehr als ein DVD-Player-Gehäuse mit 3D-Kamera übrig geblieben.

(Bild: Eedoo)

Weil in China der Vertrieb von Spielkonsolen offiziell verboten ist, vermarktet die Lenovo-Tochter Eedoo Green seine am 29. April auf den Markt gekommene Konsole CT510 als Multimedia-Gerät. Auffälligstes Detail ist eine 3D-Kamera, die ähnlich wie Microsofts Kinect die Bewegungen des Spielers erfasst. Auf ein herkömmliches Gamepad verzichtet die Konsole, Eedoo legt dem Gerät nur eine Infrarot-Fernbedienung bei.

Bei Amazon-China ist die Konsole ab dem 3. Mai für 3800 Yuan (knapp 460 Euro) lieferbar. Ursprünglich sollte das Gerät unter dem Namen iSEC bereits in der zweiten Hälfte 2011 auf den Markt kommen, allerdings brauchte Eedoo mehr Zeit "um das Produkt und die User-Experience zu verbessern", wie es von Herstellerseite hieß. So wurde nicht zuletzt das Gehäuse-Design verändert, es ähnelt nun mehr einem handelsüblichen DVD-Player, mit dem Unterschied, dass die CT510 kein optisches Laufwerk besitzt.

Sonnengruß im Wohnzimmer: Um chinesische Verbote zu umgehen, verleugnet die CT510 ihren eigenen Spielkonsonsolen-Charakter und wird von Eedoo als Multimediagerät mit Fitness-, Karaoke und Bildungsprogrammen vermarktet.

(Bild: Eedoo)

Die acht vorinstallierten Spiele und zehn Online-Anwendungen richten sich vornehmlich an Familien und Gelegenheitsspieler: Neben einem Kung-Fu- und Tanz-Spiel findet man Karaoke- und Gymnastik-Programme sowie ein Englisch-Lernspiel von Disney – dem einzig aus dem Westen bekannten Entwickler für die chinesische Nationalkonsole. Filme – in diversen Formaten bis 1080p –, Musik und Fotos nimmt die CT510 von SD-Karten oder über ihre fünf USB-Buchsen entgegen und speichert sie auf ihrer Festplatte mit einer Kapazität von 250 oder 320 GByte.

Spiele und Filme sollen vornehmlich online nach dem Modell des App-Store vertrieben werden. Eedoo kündigte hierzu eine Kooperation mit China Telecom an. Die Rechenarbeit übernehmen eine Dual-Core CPU mit 1,8 GHz nebst einer 3D-fähigen GPU, die ihre Bilder per HDMI 1.3a ausgibt. Die Speicherbestückung ist mit 2 GByte RAM vergleichsweise üppig. Die 3D-Kamera basiert auf der DepthSense-Technik von Softkinetic, die im Unterschied zu Microsofts Kinect auf dem Time-of-Flight-Prinzip beruht. Ihre Auflösung von 160 × 120 Pixeln beträgt allerdings nur ein Viertel der Kinect-Auflösung.

Erste Reaktionen von Experten sind zurückhaltend. Sie bemängeln den hohen Verkaufspreis, der der Qualität der Spiele nicht gerecht werde. Auf dem Schwarzmarkt würden in China die PS3, Xbox 360 und Wii deutlich günstiger gehandelt. Ein Vertrieb der CT510 außerhalb Chinas ist derzeit nicht vorgesehen.
(hag)