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LiMux: Münchner Grüne haken nach wegen möglicher Abkehr von Linux

Die Stadtratsfraktion der Grünen will vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wissen, ob die Rathausspitze tatsächlich zu Microsofts Windows zurückkehren will und wie hoch die Kosten dafür wären.

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Die Opposition im Münchner Stadtrat will mehr über einen potenziellen umfassenden Strategiewechsel in der IT-Landschaft der Verwaltung wissen. Die Fraktion der Grünen und der Rosa Liste hat dazu eine offizielle Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter gestellt, die jetzt im Rathausinformationssystem verfügbar ist. Der SPD-Politiker soll demnach erklären, ob eine Remigration zu Windows "ernstlich in Betracht gezogen wird".

Weiter fragen die Grünen nach den gesamten Investitionen, die für den Umstieg auf Linux mit dem Vorzeigeprojekt LiMux bisher nötig waren und bei einer Abkehr vom Pinguin "verloren wären", ob hohe Ausgaben für neue Hardware bei einem Wechsel zu Microsoft anfielen und in welcher Höhe die Stadt durch die Linux-Migration Lizenz- und Beratungskosten gespart hat.

LiMux - Linux in der Stadtverwaltung München

Der seit Mai amtierende Reiter hatte sich zuvor in einem Interview mit dem Behördenmagazin "Stadtbild" unwidersprochen als "Microsoft-Fan" darstellen lassen. Reiter sei bekannt, dass Open-Source-Software "gelegentlich" Microsoft-Anwendungen hinterherhinke, hieß es. Reiters Vize, der CSU-Mann Josef Schmid, sprach von einem hohen Leidensdruck der Verwaltungsmitarbeiter. Es sei daher zu prüfen, ob zu Microsoft zurückgekehrt werden sollte.

Stefan Hauf, Sprecher der Stadtverwaltung, erläuterte mittlerweile gegenüber heise online, dass der Oberbürgermeister den Auftrag erteilt habe, "Fakten für die Entscheidung zusammenzustellen, wie sich die städtische IT insgesamt weiterentwickeln soll". Das reiche von Fragen der Organisation und der Kosten über die Leistungsfähigkeit bis hin zur Nutzerzufriedenheit.

Prüfen soll die Hauptabteilung "IT-Strategie und IT-Steuerung – IT-Controlling" (Strac) im Rathausdirektorium. Sie stellt eine der 2012 eingeführten drei Säulen für die Organisation der Münchner Informationstechnik dar. Dazu kommen der neue zentrale städtische Dienstleister IT@M und das dezentrale Informations-, Kommunikations-, und Anforderungsmanagement (Dika).

IT@M plant, die rund 15.000 in der Münchner Verwaltung unter Linux laufenden Rechner in den nächsten Wochen von OpenOffice auf das alternative LibreOffice-Paket und eine neue KDE-Oberfläche umzustellen und so auch die Interoperabilität mit der Microsoft-Welt zu verbessern.

Für die Oracle Collaboration Suite (OCS) zeichnet sich damit in München auch ein Ersatz ab. Kolab Systems hatte Anfang des Jahres zusammen mit dem Münchner Systemhaus ESG und dem Bremer E-Learning-Experten Szenaris die Ausschreibung MigMak für eine neue Groupware-Lösung gewonnen. Vor wenigen Tagen meldete Kolab-Gründer Georg Greve nun weitgehenden Vollzug.

Der Desktop-Client, der auf der Programmsammlung KDE PIM basiere, sei mit dem geplanten LiMux-Update in München einsatzbereit, erläuterte der frühere Chef der Free Software Foundation Europe (FSFE). Die neue Version lege besonderen Wert auf Nutzerfreundlichkeit und verrichte ihre Aufgabe gegebenenfalls auch unter Windows. So sei selbst das Zusammenspiel mit Heimanwendungen gesichert. Greve hofft, dass damit auch das Bedürfnis sinke, LiMux als Sündenbock für allgemeine IT-Wehen in der Bayernmetropole auszumachen. (anw)

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