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Lian Li strafft Distribution

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Weniger ist mehr, dachte sich wohl der taiwanische PC-Gehäusehersteller Lian Li und reduzierte die Zahl seiner Distributoren für Deutschland: Mit sofortiger Wirkung erhalten Wiederverkäufer die Gehäuse von Lian Li ausschließlich bei der Wave Computersysteme GmbH in Linden und bei der CaseKing GmbH aus Berlin. Der Distributionsvertrag mit PC-Cooling wurde nach Angaben des Herstellers aufgelöst.

Laut Lian-Li-Pressesprecher Jean-Pierre Skalamera betrifft die Straffung des Distributionskanals auch die preisgünstigen Gehäuse, die der taiwanische Hersteller unter dem Label "LanCool" vermarktet. Damit ergibt sich eine interessante Arbeitsteilung zwischen Wave und CaseKing: Die Lindener Wave wird – wie in der Vergangenheit auch – ausschließlich Produkte mit dem Lian-Li-Label anbieten. An den unter dem "Lancool"-Label gefertigten Lian-Li-Produkten habe man kein Interesse, ließ uns Wave-Pressesprecher Björn Bartsch wissen. CaseKing hingegen will mit den LanCool-Gehäusen so richtig Gas geben, verriet uns Executive Manager Christoph Gross am Telefon. Besonders die ab 27. Juli verfügbaren K58-Modelle und das ab 5.8 lieferbare Modell K62 sollen groß herausgebracht werden.

Ärger inklusive?

Nanu? Lian-Li.de und PC-Cooling friedlich vereint, wo doch die Scheidung längst eingereicht wurde.

Das Ganze klingt auf den ersten Blick wie eine übliche Rezessionsfolge: Ein Hersteller konzentriert seine Aktivitäten auf zwei statt bisher drei Distributoren – Wave und CaseKing sind die Gewinner, PC-Cooling hat leider Pech gehabt. Doch ganz so einfach dürfte die Aktion, die sich bereits auf der Comutex 2009 abzeichnete, für Lian Li nicht werden. So "besitzt" PC-Cooling die URL "www.lancool.de" – zur Zeit umgeleitet auf die PC-Cooling-Webseite –, obwohl es auf PC-Cooling.de derzeit kein einziges Lancool-Gehäuse zu sehen gibt.

Ärgerlicher für Lian Li dürften aber zwei andere Eigentumsverhältnisse sein: PC-Cooling nennt auch "Lianli.de" respektive "Lian-li.de" sein Eigen. Lian-Li-Gehäuse nebst Zubehör bietet PC-Cooling derzeit nur noch im Endkundengeschäft an.

Auf Nachfrage erklärte uns Hermann Schrepel, Geschäftsführer bei PC-Cooling, dass man von Lian Li's Entscheidung überrascht sei. Auf der CeBIT und selbst auf der Computex 2009 habe man noch Vereinbarungen über eine Intensivierung des Geschäfts mit dem Hersteller getroffen. Insbesondere die seit Jahren schrumpfenden Margen für den Handel bei den eher hochpreisigen Lian-Li-Gehäusen wollte man zusammen mit dem Hersteller wieder verbessern. Aus den angedachten und mehrfach, teilweise auch schriftlich zugesagten Maßnahmen ist dann aber nichts geworden. Stattdessen hätte es mit Lian Li Auseinandersetzungen bezüglich der Qualitätsmängel bei den letzten beiden Gehäuselieferungen gegeben. "Viele der neuen Gehäusemodelle entsprechen nicht mehr dem, was man vom ehemaligen Mercedes unter den Gehäuseherstellern gewohnt gewesen sei", bedauerte Schrepel gegenüber heise resale. Man habe die Lieferungen deshalb zurücksenden müssen.

Wie es bei PC-Cooling fortan mit Lian Li weitergeht, werde man in den nächsten Wochen entscheiden. Angesichts des in der letzten Zeit eher unprofitablen Geschäfts könnte es gut sein, dass man sich bei PC-Cooling demnächst auf andere, profitablere Gehäusemarken konzentriere. Was dann mit den Webadressen Lian-li.de und LanCooling.de passiert, konnte uns Herr Schrepel noch nicht sagen. (gs)