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Liberty bekommt angeblich Rückendeckung für Kabelnetzkauf

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Der US-Konzern Liberty Media hat nach Informationen des Nachrichtensenders n-tv beim Kauf der Kabelnetze von der Telekom Rückendeckung durch den Telekom-Ausrüster Alcatel erhalten. In einem Brief an das Kanzleramt und das Bundeskartellamt hätten sich die Franzosen für Liberty eingesetzt, berichtete n-tv am Mittwoch unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Außerdem habe es entsprechende Gespräche mit Festnetzanbieter Arcor gegeben. "Wir begrüßen es, wenn sich respektable Industriepartner für die Nutzung der Breitbandkabel interessieren", sagte ein Sprecher der Liberty Media in Berlin. Ob es Gespräche mit Alcatel gegeben habe, wollte er nicht kommentieren. Alcatel, das Bundeskartellamt und die Telekom wollten sich nicht zu dem Bericht äußern.

Liberty will der Deutschen Telekom für 5,5 Milliarden Euro einen Großteil der Kabelnetze in Deutschland abkaufen. Das Bundeskartellamt hatte Liberty Media vor zwei Wochen abgemahnt und mitgeteilt, dass der Kauf der Kabelnetze nach dem jetzigen Stand der Bewertung untersagt werde. Die Behörde hat Bedenken gegen das Geschäft und fürchtet eine marktbeherrschende Stellung Libertys. Zu der Vorentscheidung kann Liberty noch bis zu diesem Freitag (15. Februar) um Mitternacht Stellung nehmen. Der Liberty-Sprecher kündigte an, diesen Termin für die Stellungnahme einzuhalten. "Wir werden sie fristgerecht bis Freitag beim Kartellamt einreichen", sagte er.

Ein Sprecher des Bundeskartellamtes lehnte eine Stellungnahme zu dem n-tv-Bericht ab. In dem Verfahren gebe es viele Äußerungen von Unternehmen, zu denen die Behörde im Einzelnen nichts sage, sagte Kartellamtssprecher Stefan Siebert in Bonn. Nach Informationen des Fernsehsenders hat Alcatel auch entsprechende Gespräche mit Arcor geführt. Alcatel ist einer der führenden Telekom-Ausrüster. Arcor ist ein Telekommunikations-Anbieter.

Alcatel hat sich in den vergangenen Jahren vom Mischkonzern zu einem reinen Telecom-Ausrüster gewandelt. Bei der Netztechnik für DSL ist der französische Konzern Weltmarktführer. Für die Aufrüstung von TV-Kabelnetzen bietet das Unternehmen, das in Deutschland mit der Tochter Alcatel SEL vertreten ist, nach eigenen Angaben das komplette Produktportfolio an. Zusammen mit dem Elektronikunternehmen Thomson Multimedia gründete Alcatel 2000 das Joint-Venture Nextream mit Sitz in Paris, um gemeinsam Lösungen für das multimediale Fernsehen zu entwickeln.

Alcatel ging in Deutschland bei den Aufträgen für den Bau der UMTS-Mobilfunknetze bisher leer aus. Das amerikanische Unternehmen Callahan, das die beiden Kabelregionen der Deutschen Telekom in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erwarb, setzt beim Ausbau der Netze außerdem vor allem auf den kanadischen Konkurrenten Nortel Networks. Eine führende Rolle im Liberty-Deal wäre nach Einschätzung von Branchenexperten daher ein großer Prestigegewinn für Alcatel. (dpa) / (jk)