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 | Technology Review

Lichtverschmutzung: Weiße LEDs als Insektenkiller

Seit Beginn der 2000er-Jahre werden die Auswirkungen der Lichtverschmutzung erforscht. Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor – und mögliche Alternativen.

Weiße LEDs als Insektenkiller

Mit diesen Boxen testeten Forscher des Niederländischen Instituts für Ökologie und der Universität Wageningen die Wirkung von künstlichem Licht verschiedener Farbe auf Pflanzen und Insekten.

(Bild: Kamiel Spoelstra/ NIOO-KNAW)

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin gehen davon aus, dass Lichtverschmutzung mit zu dem drastischen Insektensterben geführt haben, das 2017 erstmals beobachtet wurde. Denn die Untersuchungsgebiete, in denen der dramatische Rückgang gemessen wurde, waren überwiegend Gebiete in Ballungszentren. Fluginsekten würden nicht nur von künstlichen Lichtquellen angezogen – und damit gleichzeitig aus anderen Ökosystemen abgezogen, schreiben Maja Grubisic und und Kollegen in der Zeitschrift Annals of Applied Biology. Zusätzlich würden sie durch "Lichtschneisen" in ihrer Ausbreitung gebremst.

Seit Beginn der 2000er-Jahre werden die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf Pflanzen und Tiere systematisch erforscht und mögliche Lösungen diskutiert, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe. Mark Gessner, Leiter der Forschungseinrichtung, ist beispielsweise davon überzeugt, Beleuchtungssysteme könnten so konstruiert werden, dass sie das Licht dahin strahlen, wo es gebraucht wird und nicht in den Himmel oder die Umgebung.

Helfen dürfte auch eine andere Farbe des Lichts. Problematisch scheint vor allem der Anteil von blauem Licht im Weißlicht-Spektrum zu sein. So hatte Stephen Pawson vom neuseeländischen Scion-Institut bereits 2014 die Auswirkungen von weißen LED-Lampen mit gelblichen Natriumdampflampen verglichen: Die LEDs zogen 48 Prozent mehr Insekten an.

"Trotzdem geht die Tendenz zu intensivem Weißlicht, weil viele Leute auch bei Nacht Farben sehen wollen", beklagt Gessner. "Dabei ist das im Hinblick auf die Sicherheit gar nicht notwendig." Moderne LED-Leuchten ließen sich problemlos so konstruieren, dass sie kein blaues Licht aussenden. Das Licht wirkt dann eher bernsteinfarben.

Auch der Lichtforscher Christopher Kyba vom GeoForschungsZentrum in Potsdam fordert, mehr solcher "True Amber LEDs" einzusetzen. "Studien und Beobachtungen aus Städten wie Tucson in Arizona zeigen, dass man mit moderner LED-Technik die Lichtemission um zwei Drittel senken kann, ohne dass die Menschen das als dunkler wahrnehmen."

Mehr zu dem Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Technology Review (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich). (Rüdiger Braun) / (wst)

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