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Lidl will bis auf weiteres auf Videoüberwachung verzichten

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Der Lebensmitteldiscounter Lidl will nach den Bespitzelungsvorwürfen bis auf weiteres seine Filialen nicht mehr mit Videokameras überwachen. Das Unternehmen habe bereits begonnen, die Kameraanlagen in den Filialen abzubauen, teilte Lidl am heutigen Freitag mit. Die Beobachtung der Verkaufsräume solle gemeinsam mit dem früheren Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob "grundlegend neu aufgestellt" werden. Ziel sei es, Diebstähle zu vermeiden und aufzuklären sowie eine Erfassung auch sensibler Informationen und Daten von Kunden und Mitarbeitern "gänzlich auszuschließen".

Verbraucherschützer warnen nach den Bespitzelungsvorwürfen gegen mehrere Lebensmittelmärkte vor der Zahlung mit EC-Karten in Geschäften mit Videoüberwachung. "Wenn der Kassenraum videoüberwacht wird, raten wir von der Zahlung mit EC-Karte ab, weil wir nicht wissen, wer Einblick in die Aufzeichnungen hat", sagte Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der dpa. Benner empfiehlt Kunden, die bei Lidl mit EC-Karte bezahlt haben, den Discounter aufzufordern, die Daten zu vernichten und sich dies schriftlich bestätigen zu lassen. Auch Hartmut Strube, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir raten Verbrauchern dringend ab, bei Lidl mit EC-Karte und PIN-Geheimnummer zu zahlen."

Lidl hatte Ende März in einem Schreiben an Kunden, das der dpa vorliegt, mitgeteilt, dass "die Aufzeichnung ihrer PIN-Eingabe nicht vollständig auszuschließen" ist. "Wenn Sie dies vermeiden wollen, müssen Sie den Eingabevorgang mit Ihrer freien Hand abdecken." Die Aufzeichnungen würden aber täglich gelöscht, "soweit auf den Videos keine besonderen Vorkommnisse zu verzeichnen sind". Am Freitag betonte Lidl erneut, die Kameraanlagen seien nur zur Verhinderung und der Aufklärung von Diebstählen eingesetzt worden. "Zu keinem Zeitpunkt wurden Kameras eingesetzt, um persönliche Daten von Kunden wie zum Beispiel PIN-Nummern zu erkennen."

Unterdessen habe die Gewerkschaft ver.di betroffenen Mitarbeitern empfohlen, auf Schadenersatz zu klagen, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Ein ver.di-Sprecher in Berlin sagte der dpa, in besonders schwerwiegenden Einzelfällen könnten die Mitarbeiter auch auf Schmerzensgeld klagen. Die Gewerkschaft werde möglicherweise eine Musterklage gegen den Lebensmitteldiscounter vorbereiten. Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft seien bisher keine Klagen gegen Lidl eingereicht worden, sagte der Sprecher.

Siehe dazu auch

(dpa) / (dpa) / (jk)

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